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Aus Unfällen lernen: Lichtbogen durch Kurzschluss - Mitarbeiter entging nur knapp einem schweren Unfall

Bei der Demontage einer fest angeschlossen flexiblen Leitung entging ein Mitarbeiter nur knapp einer elektrischen Körperdurchströmung. Eine mangelhafte Beschriftung setzte den "Beinaheunfall" in Gang.
Aus Unfällen lernen: Lichtbogen durch Kurzschluss - Mitarbeiter entging nur knapp einem schweren Unfall

Foto: Jürgen Fischer - Fotolia

Ein Betriebselektriker bekam den Auftrag, eine stark beschädigte flexible Leitung zu entfernen. Es handelte sich um eine dreiphasige Geräteanschlussleitung. Diese war fest an einem Verteiler (Steckdosenkombination) angeschlossen. Die Leitung war nachträglich an die Kombination angebracht worden.

Im Verteiler waren verschiedene Sicherungselemente eingebaut. Beim nachträglichen Anschluss der flexiblen Leitung hatte man versäumt, die Beschriftung der Stromkreise im Verteiler zu ergänzen. Der Betriebselektriker nahm an, dass die flexible Leitung über das Sicherungselement für die dreiphasige 16 A-Steckdose angeschlossen sei. Deshalb schaltete er die drei Außenleiter an diesem Sicherungselement ab.

Nun wollte er sicherheitshalber an der beschädigten Stelle - also an den freigelegten Adern der flexiblen Leitung - die Spannungsfreiheit mit dem zweipoligen Spannungsprüfer feststellen.

Beim Versuch, die einzelnen Adern zu prüfen, berührten sich zwei der beschädigten Außenleiter und lösten einen Lichtbogen aus. Der Betriebselektriker kam mit einem großen Schrecken davon. Die Intensität des Lichtbogens war gering, da es durch den im Verteiler eingebauten RCD schnell zu einer Abschaltung des Stromkreises kam.

Die betriebliche Unfalluntersuchung ergab, dass zwei Phasen der flexiblen Leitungen über jeweils ein Sicherungselement und eine Phase über die Phase eines dreiphasigen Sicherungselements angeschlossen war. Nach dem Ausschalten des dreiphasigen Sicherungselementes standen also noch zwei Phasen in der flexiblen Leitung unter Spannung.

Maßnahmen zur Unfallverhütung

Grundsätzlich ist die Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln zwingend notwendig.

  1. Freischalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit allpolig feststellen
  4. Erden und kurzschließen
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Verteiler (Steckdosenkombination) mit Kabeleinführung für flexible Leitung
Verteiler (Steckdosenkombination) mit Kabeleinführung für flexible Leitung

Davon abgesehen, dass das Arbeiten unter Spannung grundsätzlich verboten ist, hätten im beschriebenen Fall zunächst die richtigen Ausschaltquellen (Sicherungselemente) identifiziert werden müssen: Durch Öffnen des Verteilers hätten die Anschlussstellen der flexiblen Leitung im Verteiler ermittelt werden müssen, um dann die richtigen Sicherungselemente schalten zu können. Richtig wäre dann gewesen, die Spannungsfreiheit zunächst an den Ausschaltstellen und anschließend an den freigelegten Adern für die flexible Leitung festzustellen. Erst dann hätte unter Beachtung der Grundsätze für das Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile, mit dem Ausbau der defekten Leitung begonnen werden können.

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