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Belastung und Beanspruchung

Jede Arbeit bedeutet, dass der Mensch Belastungen aufgrund der Arbeitsbedingungen ausgesetzt ist, die von außen auf ihn einwirken.

Solche Belastungen sind objektiv bestimmbar und können wie folgt unterschieden werden:

  • Physische Belastungen, z.B. das Gewicht einer Last
  • Psychische Belastungen, z.B. Termin- und Zeitdruck
  • Belastungen aus der Arbeitsumgebung, z.B. Lärm

Der arbeitende Mensch erwidert eine von außen einwirkende Belastung mit einer individuellen „inneren Reaktion“, der Beanspruchung. Jede Beanspruchung ist daher subjektiv. Bei gleicher Belastung reagieren Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen körperlichen und geistigen Eigenschaften mit einer individuellen Beanspruchung. So stellt zum Beispiel für einen sportlich trainierten Mitarbeiter das Tragen einer schweren Last über eine bestimmte Dauer eine andere Beanspruchung dar als für einen untrainierten. Dabei spielen aber nicht nur Muskelkräfte und Ausdauer eine Rolle, sondern auch das Verständnis der Arbeitsaufgabe sowie das Wissen um die Ausführung der Arbeit, z.B. die Kenntnis einer ökonomischen Hebe- und Tragetechnik. Soweit die organisatorischen Bedingungen der Arbeit hier Freiräume lassen, kann der Mensch also über seine Beanspruchung in einem gewissen Rahmen mitbestimmen. Doch es kommt hinzu, dass körperliche und geistige Eigenschaften bei ein und demselben Menschen nicht konstant sind, sondern sich beispielsweise je nach Ermüdung, Tageszeit und Motivation verändern können. Die individuelle, innere Beanspruchung ist also abhängig von:

  • Höhe, Dauer und Kombination der einzelnen, äußeren Belastungsfaktoren
  • Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen
  • Interpretation der Aufgabe und Nutzung von Freiräumen
  • Leistungsbereitschaft und Motivation


„Belastung“ und „Beanspruchung“ werden in der Ergonomie neutral und nicht als etwas Negatives verstanden. Meist gilt es zwar, Belastungen auf ein ungefährliches Maß zu begrenzen, so dass für die Mitarbeiter eine Überforderung und deren gesundheitliche Risiken ausgeschlossen werden können. Doch dies bedeutet nicht, dass jegliche Art der Belastung an einem Arbeitsplatz minimiert werden soll. Vielmehr muss auch in umgekehrter Richtung eine Fehlbeanspruchung in Form einer Unterforderung vermieden werden. Das Ziel ist also eine beanspruchungsoptimierte Gestaltung. Eine ergonomische Arbeitsgestaltung soll hierfür die technischen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, damit sich bei jedem Mitarbeiter eine optimale, individuelle Beanspruchung ergeben kann. Aus dieser Zielsetzung sind eine Reihe von Grenzwerten sowie ergonomischen Richtlinien entstanden. Bei deren Umsetzung sind Messungen bzw. Untersuchungen am Arbeitsplatz und bei den jeweiligen Mitarbeitern notwendig.

Belastungen - Beanspruchungen

 

Ausführliche Informationen:
Broschüre "Ergonomie" (MB 008), Kapitel 1 "Der Mensch"

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