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Heben und Tragen

Zwei Arten manueller Handhabung von Lasten sind besonders ungünstig: Leichte bis mittelschwere Lasten müssen fortlaufend und in hoher Taktfrequenz bewegt werden, z. B. Versandarbeiten. Schwere Lasten müssen gelegentlich gehandhabt werden, z. B. bei Wartungs- und Montagearbeiten an Maschinen.

In beiden Fällen besteht das Risiko einer Fehlbeanspruchung der Bandscheiben. Treten daraufhin Rückenbeschwerden und Bewegungsschmerzen auf, so führen diese zu Fehl- und Schonhaltung. Verspannungen und zwangsläufig weitere Fehlbeanspruchung und Schädigung der Bandscheiben sind die Folge. Um Arbeitsausfälle durch eine Erkrankung zu verhindern, gilt es also, den Eintritt in diesen Teufelskreis zu vermeiden.

 

Lastgewichte

Beim Einlegen, Umsetzen und Absetzen sind Einzellasten von 5 kg für Frauen und 10 kg für Männer mit gesundem Rücken und bei richtiger Körperhaltung als unbedenklich hinsichtlich einer bandscheibenbedingten Erkrankung einzustufen. Heben und Tragen ist allerdings ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren. Von Bedeutung sind insbesondere Alter, Geschlecht, physische Konstitution, Körperhaltung, Bewegungsräume, Gewicht und Greifmöglichkeiten der Last sowie Hebehöhe, Tragdistanz, Häufigkeit und Dauer der Handhabung. Eine Gefährdungsbeurteilung darf sich daher nie auf das Lastgewicht alleine beziehen.

Um eine erste Orientierung über die Gefährdung zu erhalten, kann die so genannte „Leitmerkmalmethode“ eingesetzt werden. Sie verknüpft das Lastgewicht mit Merkmalen der Tätigkeit, der Körperhaltung und den Arbeitsbedingungen.
Hierzu muss für einen Arbeitstag ermittelt werden, wie oft und mit welcher Zeitdauer bzw. über welche Wegstrecken Lasten von einer Person gehandhabt werden.

Gesetzlich festgelegte Höchstwerte für Lasten bestehen ausdrücklich für besonders schutzbedürftige Personengruppen:

  • Werdende Mütter dürfen nach dem Mutterschutzgesetz keine Arbeiten ausführen, bei denen regelmäßig Lasten von mehr als 5 kg, oder gelegentlich Lasten von mehr als 10 kg manuell zu heben oder zu tragen sind.
  • Für Jugendliche bestehen die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales angegebenen, zumutbaren Einzellasten. Beispielsweise dürfen über 2 bis 10 m Wegstrecke jungen Frauen 8 kg und Männern 14 kg zugemutet werden. Darüber hinaus kann die ärztliche Untersuchung laut Jugendarbeitsschutzgesetz Angaben enthalten.

 

Körperhaltung und -bewegung

Wird mit geradem Rücken und körpernah gehoben und getragen, so wird der Druck gleichmäßig auf die Bandscheibe übertragen und das Gewicht der Last und des eigenen Körpers besitzt nur einen relativ kurzen Hebelarm zur Wirbelsäule. Dagegen führt das Heben und Tragen mit gebeugtem Rücken zu einer ungünstigen, asymmetrischen Druckverteilung auf die Bandscheiben; dadurch sind die Druckkräfte aufgrund der langen Hebelarme punktuell deutlich höher. Dies gilt auch, wenn nur geringe Lasten bewegt werden.

Da es so einfach ist, sich falsch zu verhalten, sollte man sich
dies mit den folgenden Hinweisen bewusst abgewöhnen:

  • Körperposition möglichst nah und frontal zur Last
  • Aufstellung der Füße mindestens hüftbreit auseinander
  • Auf guten, vollständigen Fuß-Schuh-Bodenkontakt achten
  • Zum Anheben Beinkraft einsetzen, aus den Beinen heben
  • Rücken natürlich gerade halten, Hohlkreuz vermeiden
  • Haltung durch Rücken- und Bauchmuskulatur stützen
  • Keine ruckartigen Bewegungen einsetzen
  • Verdrehung der Wirbelsäule vermeiden
  • Last so körpernah wie möglich tragen
  • Lasten in Körpermitte oder aufgeteilt beidseits des Körpers tragen
  • Nicht übernehmen! Schwere, unhandliche oder sperrige Lasten zu zweit tragen

 

Bandscheibenbelastungen durch falsches Heben mit gebeugtem Rücken im Vergleich zum richtigen Heben mit geradem Rücken

Bandscheibenbelastungen durch falsches Heben mit gebeugtem
Rücken im Vergleich zum richtigen Heben mit geradem Rücken

 

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