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Gefährliche Kurznachrichten: Auch mit einer Spracherkennungs-App erhöht SMS-Bearbeitung am Steuer die Unfallgefahr

(31.03.2015) Wer am Steuer SMS mit der Hand eingibt, gefährdet sich und andere - das wissen alle. Aber was, wenn die SMS per Sprachsteuerung erfolgt? Sind Fahrer und Fahrerinnen damit auf der sicheren Seite, da die Hände frei bleiben?
Gefährliche Kurznachrichten: Auch mit einer Spracherkennungs-App erhöht SMS-Bearbeitung am Steuer die Unfallgefahr

SMS schreiben beim Autofahren gefährdet alle Verkehrsteilnehmer (Foto: ptnphotof - Fotolia)

Leider nicht. Auch wer SMS am Steuer mit Hilfe einer Spracherkennung-App empfängt und versendet, geht ein erhöhtes Risiko ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG). Zwar mindert das Lesen und manuelle Schreiben der Nachrichten die Aufmerksamkeit für den Straßenverkehr besonders stark. Aber auch mit einer Spracherkennungs-App ist die Ablenkung immer noch signifikant.

Insgesamt 54 Männer und Frauen im Alter zwischen 24 und 65 Jahren nahmen an der Untersuchung teil. Sie legten dazu in einer Fahrsimulation bei konstanter Geschwindigkeit (60 km/h) eine bestimmte Strecke zurück. Die Grundaufgabe war, auf bestimmte Hinweise hin die Spur zu wechseln. In einem weiteren Versuchsabschnitt erhielten die Versuchspersonen nacheinander zwei Zusatzaufgaben: Zum einen mussten sie Textnachrichten auf ihrem eigenen Handy lesen und manuell darauf antworten. Im anderen Setting erhielten sie die Nachrichten über eine Spracherkennungs-App - vergleichbar mit einer Freisprechanlage.

Gemessen wurden dabei sowohl die Leistung, die sich in der Spurabweichung ausdrückt, als auch die subjektive Beanspruchung und physiologische Parameter wie die Herzrate.

"Es hat sich gezeigt, dass bei allen Personen die Fahrleistung durch die Zusatzaufgaben deutlich schlechter wurde", sagt Studienleiterin Dr. Hiltraut Paridon vom Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG). Das eigenhändige Tippen von Nachrichten stellte erwartungsgemäß die größte Ablenkung dar. Die gemessene Spurabweichung vergrößerte sich auf mehr als das Doppelte. Die Ablenkung durch die Spracherkennungs-App war zwar geringer, aber auch hier verstärkte sich die Spurabweichung der Probanden und Probandinnen. Im realen Straßenverkehr würde damit die Gefahr steigen, auf die Gegenfahrbahn oder den Bürgersteig zu fahren und so einen Unfall zu verursachen. Zwar hatten die jüngeren Testpersonen (unter 34 Jahren) insgesamt weniger Probleme damit, am Steuer SMS zu tippen, aber auch ihre Fahrleistung wurde nachweisbar schlechter. Darüber hinaus fühlten sich die Fahrerinnen und Fahrer während der Bearbeitung von SMS stärker beansprucht als ohne - und dies unabhängig vom Alter.

Laut Straßenverkehrsordnung darf eine Person, die ein Fahrzeug führt, generell kein Mobiltelefon benutzen, wenn es aufgenommen oder gehalten werden muss. Da es aber auch bei einer Sprachsteuerung zu Ablenkungseffekten kommt, gilt: "Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie während der Autofahrt Smartphone und Co nicht benutzen." so Paridon. "Das ist nicht nur sicherer, es sorgt auch für eine entspanntere Fahrt."

Weitere Informationen: Paridon, H. Hofmann, S. & Schreiber, F. (2015). Manuelle versus sprachgesteuerte Bearbeitung von SMS während einer Autofahrt: Effekte auf Leistung, Beanspruchung und physiologische Parameter. Zeitschrift für Verkehrssicherheit, 1, 28-32.

Pressekontakt
Christian Sprotte
Pressesprecher
Telefon 0221 3778-5521
Telefax 0221 3778-195521
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E-Mail sprotte.christian@bgetem.de
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