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Gefährdungsbeurteilung im Tief- und Flexodruck

Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung müssen nach dem Arbeitsschutzgesetz eine Reihe von Gefährdungen geprüft und beurteilt werden. Dies betrifft u. a. mechanische, elektrische und thermische Gefährdungen, aber auch Gefährdungen durch Gefahrstoffe sowie Brand- und Explosionsgefährdungen. Die Praxishilfe für den Verpackungstief- und Flexodruck (S237) unterstützt den Praktiker bei der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung. Dabei stehen die Gefährdungen im Druckprozess im Mittelpunkt, es werden aber auch Druckvorstufe und Weiterverarbeitung sowie Lager- und Transportarbeiten berücksichtigt.
Da die Gefährdungen durch Gefahrstoffe häufig die größten Probleme bei deren Ermittlung, Beurteilung und der Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen bereiten, werden diese im Folgenden ausführlich betrachtet.

Gefährdungsermittlung und Gefährdungsbeurteilung für Gefahrstoffe
Die Gefahrstoffverordnung fordert, Art und Ausmaß der Exposition der Beschäftigten zu ermitteln. Dies kann durch Arbeitsplatzmessungen oder durch andere gleichwertige Verfahren erfolgen. Gemeinsam mit Verpackungstief- und Flexodruckereien hat die BG ETEM erstmals im Jahr 2007 eine Handlungshilfe für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung erarbeitet. Eine aktualisierte Version wurde zuletzt im Dezember 2016 als DGUV Information 213-718 publiziert. Sie enthielt ein geeignetes Beurteilungsverfahren für die Exposition bei Tätigkeiten mit Lösemitteln und Farben im Verpackungstief- und Flexodruck mit einer Rollenbreite > 500 mm und gilt ebenfalls für die Verarbeitung von wasserverdünnbaren, strahlenhärtende UV-Farben sowie für Zweikomponentenfarben. Bei Anwendung dieser DGUV-Information wurden unter Beachtung der beschriebenen Schutzmaßnahmen die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten. Eine dermale Exposition war bei Einhaltung der Schutzmaßnahmen nicht gegeben.

Seit 2016 wurden die Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) für die beiden Hauptlösungsmittel mehr als halbiert: Der AGW von Ethylacetat wurde im November 2016 von 1.500 mg/m3 auf 730 mg/m3 gesenkt, der AGW von Ethanol im Mai 2018 von 960 mg/m3 auf 380 mg/m3. Zusätzlich gilt für den Verzögerer 1-Ethoxy-2-propanol ein neuer AGW von 86 mg/m3 statt vorher 220 mg/m3.

Da sich die Grenzwerte und damit die Bewertungsgrundlagen geändert haben, muss die EGU zurückgezogen werden. Es ist nicht mehr für alle Betriebe gewährleistet, damit die Arbeitsplatzgrenzwerte einzuhalten. Eine aktuelle statistische Auswertung ergab, dass etwa 50 % der Betriebe die neuen abgesenkten Grenzwerte einhalten, die andere Hälfte nicht.

Die zu treffenden Schutzmaßnahmen der DGUV Information 213-718 sind jedoch nach wie vor aktuell. Bei konsequenter Umsetzung aller genannten Maßnahmen können auch die aktuellen Grenzwerte eingehalten werden. Sollten hierüber Zweifel bestehen, sind Arbeitsplatzmessungen erforderlich.

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