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Gefahrstoffe

Bei der Gefährdungsermittlung müssen alle relevanten Gefahrstoffe in den betrachteten Arbeitsbereichen berücksichtigt werden. Neben lösemittelhaltigen Druckfarben werden Lösemittel und Lösemittelgemische als Verdünner und Verzögerer sowie als Reinigungsmittel verwendet.

Überwiegend handelt es sich um die Lösemittel Ethanol und Ethylacetat, sowie die Verzögerer Methoxypropanol, Ethoxypropanol und Isopropylacetat. Daneben können in geringem Umfang Ketone (Butanon), Ester (z. B. n-Propylacetat) und weitere Lösemittel wie Propanol und Cyclohexan enthalten sein (siehe Tabelle).

Stoffe mit reproduktionstoxischen Eigenschaften wie 2-Methoxyethanol (Methylglykol), 2-Ethoxyethanol (Ethylglykol), 2-Methoxyethylacetat (Methylglykolacetat) und 2-Ethoxyethylacetat (Ethylglykolacetat) dürfen nicht eingesetzt werden, da mit 1-Methoxy-2-propanol und 1-Ethoxy-2-propanol technisch gleichwertige Ersatzstoffe verfügbar sind. Folgerichtig ist die Verwendung von Methyl- und Ethylglykol sowie deren Acetaten im Verpackungsdruck seit Inkrafttreten der TRGS 609 im Jahr 1992 verboten. Von Herstellern und Lieferanten, die Mitglied im deutschen oder europäischen Druckfarbenverband sind, werden diese Stoffe nicht eingesetzt (Rohstoff-Ausschlussliste). Im Zweifelsfall sollte das Nichtvorhandensein der genannten Stoffe vom Lieferanten schriftlich bestätigt werden.

Die Beurteilung schließt wasserverdünnbare und UV-Farben sowie Zweikomponentenfarben (isocyanathaltiger Härter) mit ein. Diese Farbsysteme kommen in der Regel in wesentlich geringerem Umfang als Lösemittelfarben zum Einsatz. Da Farben auf Wasserbasis deutlich weniger organische Lösemittel enthalten (in der Regel < 5 %), resultiert hieraus eine wesentlich geringere Exposition. UV-Farben enthalten zwar keine flüchtigen Lösemittel, zur Reinigung werden jedoch Lösemittel eingesetzt.

Tabelle: Lösemittel im Verpackungsdruck

Gefährdungen durch Belastung der Atemluft und der Haut
Von Lösemitteln und Isocyanaten können bei Nichteinhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte sowie bei direktem Hautkontakt unterschiedliche Gesundheitsgefahren ausgehen. Diese sind in der Tabelle anhand der Kennzeichnung und der Bemerkungen abzulesen. Die Beschäftigten im Verpackungsdruck nehmen die eingesetzten Gefahrstoffe hauptsächlich über die Atemwege auf. Insbesondere die mit "H" gekennzeichneten Stoffe können zudem bei direktem Kontakt auch über die Haut aufgenommen werden und in die Blutbahn gelangen. Da praktisch alle eingesetzten Lösemittel Hautschädigungen hervorrufen können, sind beim direkten Kontakt geeignete Chemikalienschutzhandschuhe (siehe Persönliche Schutzmaßnahmen) zu verwenden. Im Verpackungsdruck sind die Beschäftigten gegenüber einem Gemisch von Lösemitteln und ggf. Spuren von Isocyanaten exponiert. Bei Einhaltung der Grenzwerte ist davon auszugehen, dass im Allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt wird.
Bei Verwendung von UV-Farben sind insbesondere die Gesundheitsgefahren durch direkten Hautkontakt mit den reaktiven Acrylaten von Bedeutung. Diese Verbindungen können Hautreizungen und Allergien hervorrufen. Bei Tätigkeiten mit Zweikomponentenfarben ist zusätzlich die Härterkomponente (meist Isocyanate) zu berücksichtigen.

Brand- und Explosionsgefährdung
Die verwendeten Lösemittel sind überwiegend leicht entzündbar. Demzufolge sind bei der Verarbeitung dieser Stoffe geeignete Brandschutzmaßnahmen erforderlich. Mit Ausnahme der Isocyanate sind alle in der Tabelle aufgeführten Lösemittel entzündbare Flüssigkeiten mit Flammpunkten unter 60 °C und können explosionsfähige Dampf/Luft-Gemische bilden. Bei der Gefährdungsbeurteilung muss das Unternehmen daher auch Explosionsgefahren berücksichtigen und erforderliche Schutzmaßnahmen festlegen (siehe Brand- und Explosionsschutz).

Schutzmaßnahmen
Entsprechend der ermittelten Gefährdung der Beschäftigten sind unterschiedliche Maßnahmen erforderlich.

Mindestmaßnahmen - Folgende Maßnahmen müssen getroffen werden:

1. Auswahl der Arbeitsstoffe - Substitution
Zunächst muss die Möglichkeit der Substitution geprüft werden, d. h. gibt es technisch gleichwertige Gefahrstoffe, die weniger gefährlich für die Gesundheit und Sicherheit sind. Diese Empfehlungen legen die Anforderungen der Rohstoff-Ausschlussliste des europäischen Druckfarbenverbandes für Druckfarben und Hilfsmittel zugrunde. Danach muss auf den Einsatz von Stoffen mit der Kennzeichnung H300, H301, H310, H311, H330, H331, H340, H350, H360, H370 und H372 gemäß Anhang I der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 verzichtet werden. Diese Angaben sind den Sicherheitsdatenblättern zu entnehmen. In Zweifelsfällen muss dies von den Herstellern bzw. Lieferanten schriftlich bestätigt werden.

2. Technische Maßnahmen
Hinsichtlich der Lüftung der Arbeitsräume sind die Anforderungen nach der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.6 zu Grunde zu legen. Darüber hinaus werden bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen weitere Maßnahmen entsprechend der Gefahrstoffverordnung gefordert. Hierzu zählen insbesondere die Erfassung von Gefahrstoffen an der Entstehungsstelle und die Zufuhr von ausreichender Frischluft in die Arbeitsbereiche.

Druckwerke, Zwischentrocknungen und Trockner müssen wirksam abgesaugt werden und grundsätzlich an ein Abluftreinigungssystem angeschlossen sein. Die Maschinenabsaugung muss während der Reinigung in der Maschine in Betrieb sein. Teilewaschanlagen müssen geschlossene Anlagen sein und über eine lokale Absaugung verfügen. Diese muss so gestaltet sein, dass die Lösemitteldämpfe vor dem Öffnen abgesaugt werden (Nachlauf).

Die manuelle Teile- und Druckformreinigung außerhalb der Maschine muss in abgesaugten und gut belüfteten Bereichen durchgeführt werden.

Weitere emissionsarme Verwendungsformen sind:

  • die Gestaltung geeigneter Verfahren z. B. geschlossene Farbwannen,
  • geeignete Lösemittelbehälter,
  • die Aufbewahrung gebrauchter Putztücher in geschlossenen Behältern.

Die technischen Schutzmaßnahmen sind regelmäßig gemäß Gefahrstoffverordnung mindestens jährlich auf Funktion und Wirksamkeit zu überprüfen.

3. Organisatorische Maßnahmen
Bei Tätigkeiten mit erhöhter Exposition, z. B. Nachfüllen von Farbe oder manuelle Viskositätsprüfung, ist organisatorisch sicherzustellen, dass die Dauer dieser Arbeiten je Beschäftigten 60 Minuten pro Schicht nicht überschreitet. Versorgungsbehälter für Farbe oder Vorratsbehälter für Reinigungsmittel sind geschlossen zu halten. Mit Farbe oder Lösemittel verschmutzte Putztücher müssen in geschlossenen Behältern aufbewahrt, täglich aus den Arbeitsräumen gebracht und regelmäßig durch einen entsprechenden Fachbetrieb entsorgt werden.

Im gesamten Arbeitsbereich besteht Ess-, Trink-, und Rauchverbot. Darauf ist in der Betriebsanweisung hinzuweisen.

4. Persönliche Schutzmaßnahmen
Für sehr spezielle, nicht regelmäßige Arbeiten mit hoher Exposition, z. B. Reinigungsarbeiten an der Destillationsanlage oder Teilewaschanlage ist geeigneter Atemschutz zur Verfügung zu stellen und zu verwenden (z. B. Filtertyp A, braun). Insoweit ein Arbeiten auch innerhalb dieser Anlagen erforderlich ist, sind die Vorgaben der DGUV Regeln 113-004 und 113-005 und der DGUV Information 213-001 zu beachten.

Erstellung eines Hand- und Hautschutzplanes mit:

  • Chemikalienschutzhandschuhen
  • Hautschutzmittel für Arbeitsstoffe auf Lösemittelbasis vor Aufnahme der Tätigkeit,
  • mildem Hautreinigungsmittel bei geringer Verschmutzung,
  • gegebenenfalls notwendigem Hautreinigungsmittel bei starken Verschmutzungen,
  • Hautpflegemittel nach der Tätigkeit.

Ein Hand- und Hautschutzplan sollte an jedem Waschplatz aushängen und beschreiben, wann, welche und wie die Produkte anzuwenden sind.

Grundsätzlich muss ein Hautkontakt, z. B. beim Reinigen mit Lösemitteln oder bei der manuellen Handhabung der Farben, vermieden werden. Die Verwendung von geeigneten Chemikalienschutzhandschuhen, z. B. aus Nitrilkautschuk bzw. Butylkautschuk bei längeren Reinigungsarbeiten ist erforderlich.

Besteht die Gefahr, dass Lösemittel oder Farben verspritzen, beispielsweise beim Mischen, Abfüllen, Nachfüllen oder Reinigen, muss Augenschutz, z. B. eine Schutzbrille, benutzt werden. Mit Farben und Lösemitteln durchtränkte Kleidung muss umgehend gewechselt werden.

5. Weitergehende Schutzmaßnahmen
Nach der Gefahrstoffverordnung gilt das "Minimierungsgebot". Das heißt, die Belastung soll so gering wie möglich sein und eine Gesundheitsgefährdung soll vermieden werden. Durch die folgenden Maßnahmen kann die Belastung gegenüber Lösemitteln weiter verringert werden. Insbesondere bei der Anschaffung von Neuanlagen ist darauf zu achten, dass möglichst geschlossene Systeme zum Einsatz kommen. Freiwerdende Lösemitteldämpfe müssen wirksam abgesaugt und nach außen abgeführt werden.
Weitere Schutzmaßnahmen sind:

  • Geschlossene Kreislaufsysteme zur Versorgung der Druckmaschinen mit Farbe und/oder automatische Mess- und Regeleinrichtungen für die Farbviskosität,
  • Geschlossene Farbpumpenwaschanlagen statt manueller Spülung,
  • Verwendung von Waschanlagen mit alkalischen Reinigungsmedien,
  • Verstärkter Einsatz von Tensidreinigern für Reinigungszwecke, z. B. für die Fußboden- und Teilereinigung.

Durch die Optimierung der Waschanlagen gemäß Stand der Technik kann das manuelle Nachreinigen von Einzelteilen begrenzt werden. Hohe Pumpenleistung, optimierte Spritzwirkung und Nachspülen mit Sauberlösemittel ermöglichen gute Waschergebnisse. Durch die Abschottung des Lösemittelvorrats werden bei geöffneter Anlage Emissionen verhindert.

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