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etem Magazin | Ausgabe 4/2015 | Elektro Feinmechanik

etem 04.2015 oder andere gleichwertige Beurteilungs- verfahren. Die neue DGUV Information beschreibt geeignete Beurteilungsverfahren. Sie ba- siert auf einer größeren Anzahl repräsen- tativer Messungen für bestimmte Stoffe, Verfahren und Tätigkeiten; im Falle des Kunststoffspritzgießens bezieht sie sich auf Konzentrationen möglicher Zer- setzungsprodukte der Kunststoffe. Als Kunststoffmaterialien wurden beispiels- weise Polyoxymethylen (POM), Polyester, Polyacrylnitril, Polystyrol, Acrylnitril-Bu- tadien-Styrol-Copolymere, Polycarbonat, Polyamid 66, Polyethylen, Polytetrafluor- ethylen und Polypropylen verwendet. Einbezogen wurden Messdaten aus dem Zeitraum von 2005 bis 2012. Für das Kunststoffspritzen von POM lagen nur wenige Messwerte aus diesem Intervall vor. Aus diesem Grund wurde für diese Auswertung der Zeitraum erweitert und Daten aus den Jahren von 2001 bis 2012 berücksichtigt. Die Messwerte sind reprä- sentativ für eine Arbeitsschicht von acht Stunden. Die Tabellen auf den Seiten 22 und 23 zeigen Ergebnisse für die berück- sichtigten Gefahrstoffe. Die Maschinen wurden überwiegend ohne Absaugung betrieben. Die Arbeits- räume waren in der Regel nicht mit einer raumlufttechnischen Anlage (RLT-Anlage) ausgestattet. Beurteilung Die Messergebnisse zeigen, dass die Gefahrstoffkonzentrationen – außer im Falle von POM – überwiegend unterhalb der Bestimmungsgrenze des angewand- ten Analyseverfahrens liegen. Bei der Verarbeitung von POM können erhöhte Formaldehydkonzentrationen auf- treten, insbesondere dann, wenn die Verarbeitungstemperatur im Bereich der Zersetzungstemperatur liegt oder die Düsen freigespritzt werden. Das 95 %-Per- zentil liegt mit 0,26 mg/m³ unterhalb des Beurteilungsmaßstabes von 0,37 mg/m³. Für krebserzeugende Gefahrstoffe gel- ten die Beurteilungsmaßstäbe (Akzep- tanz- und Toleranzkonzentrationen) nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 910. Für 1,3-Butadien lässt sich mit den Untersuchungsergebnissen nicht nachweisen, dass die Akzeptanzkonzen- tration von 0,5 mg/m³ eingehalten wird. Alle ermittelten Messwerte liegen jedoch unterhalb der Toleranzkonzentration von 5 mg/m³. Im Falle von Acrylnitril und Benzol erreicht kein Messwert die Ak- zeptanzkonzentrationen von 0,26 mg/m³ bzw. 0,2 mg/m³. Sämtliche Arbeitsplatz- grenzwerte für die weiteren Gefahrstoffe werden eingehalten. Schutzmaßnahmen Die Schutzmaßnahmen für Betriebe erge- ben sich aus der Gefährdungsbeurteilung und sollen sich am Stand der Technik orientieren. Generell ist die Rangfolge der Schutzmaßnahmen zu beachten. Auf Expositionsmessungen kann verzich- tet werden, sofern folgende Maßnahmen eingehalten werden: ▪▪ Kontrolle und Einhaltung der Verfah- rensparameter (u. a. Verarbeitungstem- peratur, Verweilzeit in der Plastifizierein- heit, Schussgewicht, Verarbeitungs- druck), ▪▪ Vortrocknen des Kunststoffgranulates, ▪▪ weitgehend störungsfreie Prozessfüh- rung. Auch beim Verarbeiten von POM können Expositionsmessungen entfallen, wenn Betriebe im Bereich der Spritzdüse eine wirksame Absaugeinrichtung mit Fort- luftbetrieb betreiben. Für Arbeiten zur Störungsbeseitigung sowie bei der In- standhaltung und Umrüstung kann aber auch eine mobile Absaugeinrichtung mit einem Kombinationsfilter eingesetzt wer- den. Der Kombinationsfilter besteht aus einem Partikelfilter der Staubklasse M (mittel) und einem nachgeschalteten Filter aus Aktivkohle. Sofern krebserzeugende Gefahrstoffe entstehen, darf der Betrieb die abgesaugte Luft nicht in den Arbeitsraum zurückführen. Was bietet die DGUV Information? Die Information ist eine wertvolle Hilfe für Betriebe, die thermoplastische Kunst- stoffe verarbeiten. Die Ausführungen unterstützen Verantwortliche dabei, Ge- fährdungen zu ermitteln und eine Gefähr- dungsbeurteilung durchzuführen. Halten Anwender die aufgezeigten Verfahrens- parameter sowie die Schutzmaßnahmen ein, kann im Rahmen der Gefährdungs- beurteilung auf weitere Messungen verzichtet werden. Dr. Stefanie Labs →→ info DGUV Information 213-728 im Internet: publikationen.dguv.de, Suchbegriff „213-728“ Ergebnisse für ausgewählte berücksichtigte Gefahrstoffe (Zersetzungsprodukte) *a. B.: analytische Bestimmungsgrenze Gefahrstoff Anzahl Messwerte/ Betriebe Anzahl Messwerte < a. B.* Höchste a. B. mg/m³ Beurteilungs- maßstab mg/m³ Maximaler Messwert mg/m³ Acetaldehyd 24/12 23 0,02 91 0,03 Acrylnitril 16/10 14 0,1 0,26 0,10 Aliphatische Kohlenwasser- stoffe C9-15 15/11 15 10 600 < 10 Benzol 5/4 5 0,1 0,2 < 0,10 1,3-Butadien 17/12 17 1 0,5 < 1,00 Cyclo- pentanon 29/16 29 2,1 90 < 2,10 Fluoride/ Fluor- wasserstoff 23/5 23 0,17 1/0,83 < 0,17 Formaldehyd ohne POM 14/7 6 0,01 0,37 0,13 Phenol 31/15 29 0,50 8 1,00 Styrol 21/15 20 4 86 18 Spritzgießmaschine mit Plastifiziereinheit Fotos:BGETEM;BSHHausgeräteGmbHFCPBBadNeustadt betrieb & praxis 23 Acetaldehyd 24/12230,02910,03 Acrylnitril 16/10140,10,260,10 15/111510600 < 10 Benzol 5/450,10,2 < 0,10 1,3-Butadien 17/121710,5 < 1,00 29/16292,190 < 2,10 23/5230,171/0,83 < 0,17 14/760,010,370,13 Phenol 31/15290,5081,00 Styrol 21/152048618

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