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etem Magazin | Ausgabe 4/2015 | Elektro Feinmechanik

Marvin imponiert seinem Reha-Berater mit seiner positiven Energie: „Wie Marvin in die Zukunft blickt, sich Ziele setzt und sie auch erreicht, lässt einfach niemanden kalt“, sagt Stefan Mayr (li.). Fußballspielen überlässt Marvin heute ande- ren. In der E-Jugend ist er Betreuer und sonst aktiv bei der Landjugend. zieren. Bei herkömmlichen Prothesen muss das Prothesenbein mit der „gesun- den Seite“ stark angehoben werden, um bei Unebenheiten am Boden nicht hän- gen zu bleiben. Dem technikbegeisterten Marvin gibt das noch einmal einen positiven An- schub, um eisern die mühevolle Gang- schulung und Physiotherapie durchzuhal- ten, mit der bereits früh in der Klinik be- gonnen wird. Aber nicht nur an seinem Gangbild arbeitet Marvin in dieser Zeit. Sein Plan: So schnell wie möglich wieder an den alten Ausbildungsplatz zurück- kehren. Ein wichtiger Teil davon: eigen- ständig mobil sein. Auf dem Land bedeu- tet das, den Führerschein zu machen. In der Enzensberger Reha-Klinik wird die Möglichkeit dazu geboten. Marvin ergreift die Gelegenheit und besteht mit 17 die Fahrprüfung. Das Landratsamt stellt sich quer und verhindert die vorzeitige Fahrerlaubnis. Neustart der Ausbildung Doch auch das bringt Marvin nicht davon ab, seine Ausbildung fortzusetzen, die nach zwei Monaten durch den Unfall jäh unterbrochen worden war. Um jeden Mor- gen zur Ausbildungsstätte zu gelangen, gründet er mit einem Freund aus der Azu- bi-Gruppe eine Fahrgemeinschaft. Uwe Wälde, Ausbildungsleiter bei Mar- vins Arbeitgeber IMS Gear GmbH, einem Zulieferer der Automotive Branche, unter- stützt Marvins Engagement intensiv. „Na- türlich haben wir alle gehofft, dass er zu- rückkehren kann, geglaubt habe ich es aber nicht“, sagt Wälde. Er weiß, wie viel Spaß Marvin bereits in den ersten Mona- ten seiner Mechatroniker-Ausbildung an den Tag gelegt hatte. Für Marvin, der in seiner Freizeit leiden- schaftlich gern Traktor fährt und repariert, sich ansonsten in der Landjugend enga- giert, steht fest: „Ein Schreibtisch-Job wä- re für mich eine echte Strafe.“ Er nutzt zwar gern Computer, aber seine Freizeit verbringt er selten davor. Passend machen Als Marvin gemeinsam mit seinem Reha-Berater, seinem Ausbildungsleiter und einem Personalverantwortlichen von IMS Gear zu einem Gespräch zusammen- kommt, wird allen Beteiligten klar, was für ihn schon die ganze Zeit feststeht: Es gibt für ihn keine Alternative zur Mechatroni- ker-Ausbildung. Das ist und bleibt sein Traumberuf. Andererseits ist allen klar, dass Marvin trotz des positiven Heilungs- verlaufs mit seiner Prothese später nicht in der Anlagenwartung eingesetzt werden kann. Denn dabei muss man auf Maschi- nen „rauf- und runterklettern“. Bei IMS Gear wird diskutiert, wie man Marvins Übernahme nach der Ausbildung gestalten könnte. Das Ergebnis: Sein Ar- beitsgebiet wird nicht in der Instandhal- tung, sondern im Kleinmechanikbereich liegen. Im Prüflabor, beim Betriebsmittel- bau oder auch in der Konstruktion beste- hen für Marvin gute Möglichkeiten, sein technisches Talent unter Beweis zu stel- len. „Wir schonen ihn nicht“, sagt sein Ausbildungsleiter. „Marvin mag keine Ex- trawürste, aber Hilfe steht selbstverständ- lich immer bereit.“ Als nicht einmal ein Jahr nach seinem Unfall eine Spanienreise mit Freunden an- steht, ist Marvin dabei. „Ich bin schon vorsichtig, probiere aber auch gern was aus“, sagt er und grinst. Keine Extrawurst Am Strand verzichtet er auf die Prothese. „Die ist nicht in allen Bereichen wasser- dicht“, sagt er. Für solche Fälle setzt er seine Krücken ein, auf denen er sich wie ein Tänzer fortbewegen kann und auch viel schneller ist als mit der Prothese. „Die Prothese möglichst viel zu tragen ist wichtig, aber auch anstrengend.“ Das ist wie ein Trainingsprogramm und klappt zum Beispiel beim Treppensteigen schon sehr gut – nur wenn ihm etwas herunter- fällt, nimmt Marvin Hilfe gern an. Und der Akku in der Prothese? „Das ist im Grunde wie beim Handy“, erklärt Mar- vin. Bei 25 Prozent Restleistung meldet sich der kleine Computer akustisch. „Wenn ich dann das Aufladen vergesse, wird das Knie steif gestellt und bewegt sich nicht mehr.“ Corinna Kowald Fotos:BG ETEM;Kaya gesundheit 25etem 04.2015

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