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Neue Studie zur NS-Geschichte der BG ETEM

(05.09.2013) Das neue öffentliche Interesse an der Geschichte von Behörden im "Dritten Reich" hat die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) zum Anlass genommen, ihre Personalgeschichte in der NS-Zeit erforschen zu lassen. Mit der nun erschienenen Studie wird anschaulich dargestellt, welche Umbrüche die Verwaltungen der gesetzlichen Unfallversicherung in den Branchen Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse erfuhren.

So wurde nach Hitlers Machtantritt 1933 die demokratische Selbstverwaltung zerschlagen und durch einen dem Regime genehmen "Leiter" ersetzt. Wer unter den Mitgliedern der Selbstverwaltung Jude war oder einer demokratischen Partei angehörte, musste sein Amt aufgeben. In der Studie werden erstmals Umfang, Biografien und die teils dramatischen Umstände dieser personellen Säuberungen geschildert, die das Ende des traditionellen jüdischen Engagements in der gesetzlichen Unfallversicherung markieren.

Mit der Rüstungswirtschaft in der NS-Zeit wuchsen auch die Verwaltungen der Berufsgenossenschaften. Karriere machten in dieser Zeit vor allem jene, die sich in den NS-Organisationen hervortaten. Eingehend untersucht die Studie den Werdegang des Leiters der ehemaligen Berufsgenossenschaft Elektrotechnik und Feinmechanik, Karl Burhenne. Der Abteilungsleiter bei Siemens zählte zu den frühesten Förderern der NSDAP in der deutschen Wirtschaft. Er kam 1933 an die Spitze dieser Berufsgenossenschaft, die er - als prominentes Beispiel personeller Kontinuität nach Kriegsende - bis 1957 leitete. Wie Burhenne blieben die meisten, aber durchaus nicht alle NS-belasteten Verwaltungsspitzen der Berufsgenossenschaften in ihrer Position. Eine Rückkehr der Verfolgten dagegen blieb aus. So folgte auf die formelle Einführung der demokratischen Selbstverwaltung 1953 erst schrittweise die innere Demokratisierung der Berufsgenossenschaften, verbunden mit der Leistungsausweitung der Unfallrenten und des Arbeitsschutzes nach 1963.

Autor der Studie ist der Historiker Daniel Trabalski von der Dokumentations- und Forschungsstelle der Sozialversicherungsträger. Das Institut wird von den Institutionen der Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung getragen. Neben Quellen aus dem Bundesarchiv und dem Siemensarchiv standen dem Autor auch bislang unerschlossene Aktenbestände der BG ETEM zur Verfügung, die neue Einblicke in die bislang kaum erforschte Unfallversicherung während der NS-Zeit geben.

Bestellung
Die Publikation "Die Ursprungs-Berufsgenossenschaften der BG ETEM und die NS-Vergangenheit" kann zum Preis von 5 Euro im Internet bestellt werden: www.sv-dok.de in der Rubrik "Veröffentlichungen".

Hintergrund BG ETEM
Die BG ETEM ist die gesetzliche Unfallversicherung für rund 3,8 Millionen Beschäftigte in etwa 200.000 Mitgliedsbetrieben. Ihre Aufgaben sind Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Rehabilitation und Entschädigung von Verletzten und Erkrankten bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Für ihre Mitgliedsunternehmen übernimmt die BG ETEM außerdem die Haftung für die gesundheitlichen Folgen von Versicherungsfällen gegenüber den Beschäftigten und stellt diese auch untereinander von der Haftung frei. Die heutige BG ETEM entstand am 1. Januar 2010 nach mehreren Fusionen von insgesamt vier Berufsgenossenschaften.


Pressekontakt

Christian Sprotte
Pressesprecher
Telefon 0221 3778-5521
Telefax 0221 3778-195521
Mobil 0175 260 73 90
E-Mail sprotte.christian@bgetem.de
Internet www.bgetem.de, Webcode 11364615

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