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Betrieblicher Hautschutz - Schritt 2: Das STOP-Prinzip beachten und Hautirritationen vermeiden

Zuerst muss klar sein, was zu Hautgefährdungen und Hautirritationen führen kann. Für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen gilt dann das STOP-Prinzip: Substitution, technische und/oder organisatorische Maßnahmen, zuletzt persönliche Maßnahmen (PSA).

Wichtig:  Berufliche Hautmittel ihrerseits können eine irritative oder sensibilisierende Wirkung haben. Daher sollte für berufliche Hautmittel neben der Wirksamkeit auch die Hautverträglichkeit nachgewiesen sein.

Bereits der Umgang mit Wasser führt zu einer Hornschichtquellung und muss kritisch betrachtet werden.

Hautbelastung ermitteln
Zu klären ist, ob die Beschäftigten mit hautschädigenden, hautresorptiven oder sensibilisierenden Gefahrstoffen Tätigkeiten ausüben. Auch irritative Arbeitsstoffe[1] stellen eine Hautbelastung dar. Informationen dazu sind so weit wie möglich aus dem Sicherheitsdatenblatt oder den technischen Informationen zu entnehmen oder gegebenenfalls beim Hersteller einzuholen.

Die Hautreinigung ist angemessen, wenn Schmutz sowohl effektiv als auch hautschonend entfernt werden kann. Generell sind Hautreinigungsmittel einzusetzen, die nachweislich hautverträgliche Tenside enthalten. Informationen dazu können gegebenenfalls beim Hersteller eingeholt werden.

Händedesinfektion ist erforderlich nach Hautkontakt mit tierischen oder menschlichen Sekreten, Ausscheidungen oder damit kontaminierten Gegenständen (z. B. in der Orthopädieschuhtechnik oder am Desinfektionsplatz in zahntechnischen Laboratorien), nach Reinigungs-/Schmutzarbeiten, beim Entsorgen von Müll oder im Abwasser- und Biogasanlagenbereich.

Um die Gefährdung, die beispielsweise bei Exposition gegenüber einem Kühlschmierstoff besteht, zu beurteilen, muss die Zusammensetzung des Konzentrates und auch des gebrauchsfertigen Gemisches bekannt sein. Aufschluss gibt das Sicherheitsdatenblatt, das der Hersteller bereitstellen muss. Darin sind jedoch nicht in allen Fällen alle Bestandteile aufgeführt, die Hautirritationen auslösen können. Hier ist die Mitwirkung eines Arbeitsmediziners sinnvoll, der gezielt beim Hersteller anfragen kann.

Gefahrstoffbehälter
Die Inhalte der eingesetzten Stoffe sollten bekannt sein. (Bild: Lutz Schmidt/Projekt PR)

Was sind Hautirritantien?
Hautirritantien sind Reizstoffe. Sie wirken direkt schädigend nach einmaligem oder wiederholtem Kontakt.

Hautirritantien können Fette aus der Haut lösen, Hornzellfasern denaturieren, Zellmembranen schädigen und die Zellen der Oberhaut zerstören.

Starke Irritantien (z. B. konzentrierte Natronlauge oder Schwefelsäure) sorgen bereits bei einmaligem Kontakt für Hautveränderungen:

  • starke Säuren (pKS -1 bis -10)
  • starke Laugen (pKB -1 bis -9)
  • Lösemittel mit hohen Löseeigenschaften für biologische Membranen

Schwache Irritantien können bei regelmäßigem Kontakt Hautveränderungen verursachen. Dazu zählen:

  • Wasser
  • Seifen
  • Reinigungsmittel
  • Öle/ Fette
  • Lösemittel mit geringen Löseeigenschaften für biologische Membranen

Wichtig: Bei KSS wird mit absinkendem pH-Wert die Bildung krebserzeugender Nitrosamine begünstigt, bei höheren pH-Werten (über 9,5) verstärkt sich die hautschädigende Wirkung. Aus diesen Gründen ist der pH-Wert von KSS im Dauerbetrieb wöchentlich zu überprüfen (siehe auch TRGS 611).

Alternativen prüfen
Falls eine Hautgefährdung vorliegt, ist der beste Weg: Den Hautkontakt weitgehend meiden. Durch technische Maßnahmen kann der Kontakt zu hautkritischen Arbeitsstoffen erheblich minimiert werden. So beschränkt sich durch eine Einhausung von KSS-Emissionen der Hautkontakt häufig auf das Abblasen der Werkstücke nach der Bearbeitung sowie Wartungs- und Reinigungsarbeiten, die mit Schutzhandschuhen durchgeführt werden können. Beispiele für organisatorische Schutzmaßnahmen: Prüf- und Wartungstätigkeiten für KSS an fachkundige externe Dienstleister übertragen oder die Häufigkeit von Tätigkeiten reduzieren (Anzahl der mit KSS benetzten Teile verringern, die kontrolliert werden).

Hand-Refraktometer
Das Bild zeigt die Konzentrationsbestimmung wassergemischter KSS mittels Hand-Refraktometer.

Auswahl beruflicher Hautmittel
Berufliche Hautmittel unterliegen der Verordnung über kosmetische Mittel[2][3]. Informationen zur Anwendung und über Inhaltsstoffe sind in der Produktinformation enthalten. Generell müssen alle Produkte dem „Good manufacturing practices“[4] entsprechen. Das heißt, sie sind wirksam, stabil und haben eine gleichbleibende Qualität in den Chargen.

Zusätzlich sollten berufsdermatologische Anforderungen an berufliche Hautmittel[5] erfüllt sein:

  • Vorliegen eines Wirkungsnachweises vorzugsweise am Menschen
  • frei von deklarationspflichtigen Duftstoffen
  • frei von Farbstoffen
  • frei von problematischen Konservierungsstoffen
  • Reihung der Inhaltsstoffe entsprechend dem Mengenverhältnis

Inhaltsstoffe beruflicher Hautmittel
Die Wirkstoffe von Hautmitteln dienen der Gesunderhaltung der Haut. Eine beispielhafte Auswahl sind Antioxidantien (Vitamin E und A, Panthenol), Ceramide (Bestandteil der Oberhaut), Glyzerin (Bestandteil der Oberhaut), Linolensäure (Bestandteil der Oberhaut), Milchsäure (Bestandteil der Oberhaut, antibakteriell), Harnstoff/Urea (Bestandteil der Oberhaut, penetrationsfördernd).

Empfehlenswerte Hautmittel haben mindestens einen ausgewiesenen Wirkstoff. Harnstoff sollte in Hautpflegemitteln, nicht aber in Hautschutzmitteln enthalten sein.

Weitere Inhaltsstoffe sind

  • Alkohole, die als Konservierungsstoffe nicht gesondert ausgewiesen werden müssen (z. B. Glykol)
  • Mineralöl als wasserabweisender und filmbildender Füllstoff (z. B. Paraffin)
  • Naturöl als antioxidativ wirkender Füllstoff mit kurzer Haltbarkeit
  • Neutralöl als sauerstoffunempfindlicher Paraffinersatz
  • Propylenglykol als feuchthaltendes Lösemittel, das nicht bei geschädigter Haut eingesetzt werden darf
  • Emulgatoren, die beständige Emulsionen nicht mischbarer Komponenten erzeugen, jedoch die Haut austrocknen können

Gut verträgliche Konservierungsstoffe sind Benzoate.

Von Isothiazolinen ist wegen des hohen sensibilisierenden Potenzials abzuraten.

Für Duftstoffe gilt:

  • Sehr potente Allergene: Cinnamal, Isoeugenol, Evernia prunastri (Eichenmoos), Evernia furfuracea (Baummoos)
  • Potente Allergene: Cinnamyl Alcohol, Hyroxycitronellal, Lyral
  • Geringes Allergisierungspotenzial: Amyl Cinnamal, Citral, Eugenol, Farnesol, Butylphenyl Methylpropional, Methyl 2-Octyonate

Duftstoffe sind nach Nickel/Nickelverbindungen der zweithäufigste Auslöser für Allergien der Haut.

Bedenkliche Inhaltsstoffe sind:

  • Formaldehydabspalter (z. B. Imidazolidin-Harnstoff, Hexamethylentetramin, Bronpol)
  • Triethanolamin (Nitrosaminquelle als Emulgator oder zur pH-Wert-Stabilisierung)
  • Nanopartikel bis 100 nm (z. B. Titandioxid, Zinkoxid als UV-Filter)
  • Aluminiumverbindungen (wirken schweißhemmend; es werden jedoch Nebenwirkungen diskutiert)
  • Farbstoffe (in der Kosmetikverordnung sind Substanzen mit einer Colour-Index-Nummer CI zugelassen)

Rezepturen von Hautmitteln
Zum Vergrößern, bitte Bild anklicken.

Wasser-in-Öl-Präparate (W/O) sind beständig gegen Tenside und daher schlechter abwaschbar. Da die Keimvermehrung erschwert ist, sind weniger Konservierungsstoffe erforderlich. Unter diesen Aspekten sind Wasser-in-Öl-Präparate (W/O) zu bevorzugen.

Verhalten mit Wasser
Zum Vergrößern, bitte Bild anklicken.

Besondere Hautzustände

Atopie familiär gehäufte erhöhte
Empfindlichkeit der Haut und Schleimhäute
Atopische Haut erniedrigter Gehalt an Wasser, Fett, Harnstoff (Urea) und wichtigen Fettsäuren (γ-Linolensäure). Dadurch Beeinträchtigung des Hornschichtaufbaus.
Atopisches Ekzem schubweise auftretende, entzündliche, schuppende, juckende und gelegentlich nässende Hautausschläge
Schuppenflechte (Psoriasis) chronische, stark schuppende, scharf abgegrenzte und leicht erhabene Hautausschläge, Verhornungsstörung

Grundregeln der Hautmittelrezeptur bei besonderen Hautzuständen

  • Trockene Haut > eher lipophile Grundlagen
  • Fettige Haut > eher hydrophile Grundlagen
  • Akute Hautveränderungen > eher hydrophile, kühlende Grundlagen
  • Chronische Hautveränderungen > eher lipophile Grundlagen
  • Nässende Hautveränderungen > eher hydrophile Grundlagen


[1] EUH-Satz EUH 066

[2] Gesunde Haut – Auswahl von beruflichen Hautmitteln (Information der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt www.auva.at)

[3] Kosmetikverordnung 2014

[4] GMP; ISO 22716

[5] S1-Leitlinie “Berufliche Hautmittel“ der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD)

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