Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Betrieblicher Hautschutz - Schritt 3: Hautschutzplan

Häufig kommen in den Unternehmen pauschal durch den Hautmittellieferanten übergebene, vorgefertigte Hautschutzpläne zum Einsatz. Diese können in der Regel die individuelle betriebliche Situation nicht vollständig berücksichtigen und gehen immer von gesunder Haut bei den Beschäftigten aus. Durch betriebsärztliche Mitarbeit können sowohl spezifische Anforderungen an den Hautschutz aus den Tätigkeiten wie auch individuelle Aspekte der Beschäftigten berücksichtigt werden.  

Betrieblicher Hautschutz setzt auf drei Ebenen an.

  • Vor der Arbeit: Spezieller Hautschutz
  • Während der Arbeit: Hautreinigung
  • Nach der Arbeit: Hautpflege

Prävention[1], welche nicht nur die Arbeitsstoffe, sondern auch den Hautzustand der Beschäftigten berücksichtigt, sorgt für mehr Hautgesundheit und vermeidet einen unwirksamen oder sogar schädlichen Einsatz von Hautmitteln.

Hautschutzplan
Die BG ETEM bietet im Medienportal, Plakate/Aushänge, eine Vorlage zum Download an (S 003), die für den eigenen Hautschutzplan genutzt werden kann.

Hautschutz in der arbeitsmedizinischen Vorsorge
Es ist wichtig, das betriebliche Hautschutzkonzept in die arbeitsmedizinische Vorsorge einzubinden. Zwei verschiedene Betrachtungsperspektiven verbessern den Hautschutz:

  1. Tätigkeiten und eingesetzte Arbeitsstoffe
  2. Hautzustand der Beschäftigten

Wer den Hautzustand der Beschäftigten im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge berücksichtigt, unterstützt eine möglichst frühzeitige Prävention, insbesondere bei Beschäftigten mit besonderen Hautzuständen wie Atopie, atopische Haut, atopisches Ekzem oder Schuppenflechte.

Hier sollten ein Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin eingebunden sein - möglichst bevor sich das Hautbild verändert.

Risikomatrix
Eine Risikomatrix zeigt unterschiedliche Hautschutzmaßnahmen in Abhängigkeit von Arbeitsstoff, Tätigkeit und Hautzustand. Zum Vergrößern, bitte Bild anklicken.

Grundlagen des Hautschutzplans
Für einen Hautschutzplan müssen folgende Informationen ermittelt werden:

  1. Mindestangaben
    - Betriebsbereich, Arbeitsverfahren
    - Tätigkeit
    - Arbeitsstoffe
  2. Angaben zu den Hautmitteln
    - Hautschutzmittel
    - Hautreinigungsmittel
    - Hautpflegemittel

Ein Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin sollte die Auswahl beruflicher Hautmittel begleiten und ihre Inhaltsstoffe bewerten, damit die Verwendung von problematischen Konservierungsstoffen, Duftstoffen, Farbstoffen und bedenklichen Inhaltsstoffen vermieden wird.

Grundlagen des Handschuhplans
Lässt sich trotz Anwendung technischer Schutzmaßnahmen ein direkter Handkontakt mit irritativen Arbeitsstoffen beziehungsweise Chemikalien, insbesondere mit giftigen, ätzenden oder sensibilisierenden Gefahrstoffen, nicht vermeiden, müssen vorrangig Schutzhandschuhe getragen werden, soweit keine Unfallgefährdung durch bewegte oder rotierende Maschinenteile besteht.

Nicht jeder Schutzhandschuh ist für jeden Verwendungszweck geeignet. Schutzhandschuhe gegen Chemikalien werden gemäß der neuen EN ISO 374-1:2016 in folgende drei Typen eingeteilt:

Kennzeichnung Schutzhandschuhe
Zum Vergrößern, bitte Bild anklicken.

Daneben findet sich zur Kennzeichnung “Schutz gegen chemische Gefahren“ auch noch diese Darstellung

Handschuhe ChemikalienADF

Die Buchstaben ADF weisen darauf hin, dass der getestete Handschuh gegenüber diesen drei Prüfchemikalien einen Schutzindex von mindestens zwei aufweist:

A   Methanol

D   Dichlormethan

F   Toluol

Der Index gibt die Durchbruchzeit an, also die Dauer, nach der der Schutzhandschuh den Stoff auf die Haut durchlassen würde. Anhand dieser Kennzeichnung ist allerdings nicht erkennbar, gegen welche anderen Arbeitsstoffe der Schutzhandschuh ebenfalls beständig ist. Hierzu ist eine Nachfrage beim Hersteller/Lieferanten erforderlich.

Einen Schutzhandschuh gegen geringe chemische Gefahren erkennt man auch an dem Piktogramm “Schutz gegen geringe chemische Gefahren“:

Handschuhe Schutz gegen einfache Chemikalien

Hier kann es sich zum Beispiel um wasserdichte Einmalhandschuhe handeln, die als Spritzschutz gegenüber kurzfristigen Lösemittelkontakten geeignet sind, nicht aber für intensive Reinigungstätigkeiten.

 

 

Einen Schutz gegen mechanische Gefahren erkennt man an dem Piktogramm “Schutz gegen mechanische Gefahren“:

Handschuhe mechanische Risiken

Schutzhandschuhe, die ausschließlich das Piktogramm “Schutz gegen mechanische Gefahren“ tragen, sind nicht für den Umgang mit flüssigen Arbeitsstoffen geeignet.

Die Ziffern unter dem Piktogramm sind Kennzahlen für bestimmte mechanische Eigenschaften der Schutzhandschuhe:



1 = Schutzlevel Abriebfestigkeit

2 = Schutzlevel Schnittfestigkeit

3 = Schutzlevel Weiterreißfestigkeit

4 = Schutzlevel Stichfestigkeit

Beispiel für Ziffer 2:
Bei der Handhabung von Papier ist zum Schutz vor scharfen Papierkanten ein Schnittschutzlevel von 1 oder 2 ausreichend. Bei einem Messerwechsel an Schneidmaschinen muss dagegen ein Schnittschutzlevel von 3 oder höher verwendet werden.

Beim Erstellen eines Handschuhplans sollten die speziellen Anforderungen beim Tragen von Schutzhandschuhen berücksichtigt werden:

  • Tragedauer der Handschuhe
  • Handhabung kleiner Teile (Tastsinn)
  • Besondere Hautzustände einzelner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Handschuhplan
Die BG ETEM bietet im Medienportal eine Vorlage (S 003a) unter Downloads an, die für den eigenen Handschuhplan genutzt werden kann.

Schutz gegen natürliche UV-Strahlung
Um die Haut bei Arbeiten im Freien und unter natürlicher Sonneneinstrahlung möglichst wenig zu belasten, sind folgende Grundregeln einzuhalten:

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen:

Direkte Sonne meiden, z. B.:

  • Arbeitsbereich durch Sonnensegel beschatten
  • Mittagssonne durch kürzere Arbeitszeiten in den Mittagsstunden meiden
    Kurzpausen im Schatten verbringen

Personenbezogene Schutzmaßnahmen:

Persönlichen Schutz optimieren:

  • Kopfbedeckung
  • Bekleidung
  • Sonnenschutzbrille
  • Anwendung von Lichtschutzmitteln auf nichtbedeckten Hautarealen.

Der beste Sonnenschutz ist Kleidung oder Schatten!

Der Lichtschutzfaktor von Sonnenschutzmitteln (LSF 10 bis 50) gibt an, um welchen Faktor sich die Eigenschutzzeit verlängert. Die Eigenschutzzeit ist unter anderem vom Hauttyp und der Pigmentierung abhängig. Ein Produkt mit LSF 20 erlaubt es unter den Prüfbedingungen, sich 20-mal länger der Sonne auszusetzen. In der Praxis wird bei gutem Auftragen in der Regel 20 – 25% des angegebenen LSF erreicht, also bei LSF 20 der Faktor 4 bis 5. Auch diese Wirksamkeit ist nur gegeben, wenn das Sonnenschutzmittel ausreichend und gleichmäßig aufgetragen wird.

Bei der Auswahl des Sonnenschutzmittels ist auf ausreichenden UVA- und UVB- Schutz zu achten. Für den Einsatz am Arbeitsplatz sollten die Produkte mindestens einen Lichtschutzfaktor von LSF >= 30 haben.

Da die Anwendung von Lichtschutzmitteln keinen vollständigen UV-Schutz bieten kann, darf sie nicht dazu verleiten, auf physikalischen Lichtschutz (Kleidung) zu verzichten oder die Expositionsdauer zu verlängern.

Wer bei der Arbeit schwitzt oder sich das Sonnenschutzmittel abreibt, muss häufiger nachcremen.

UV-Schutz gegen künstliche UV-Strahlung
Bei der Exposition gegenüber künstlicher UV-Strahlung wird unterschieden zwischen UV-Strahlung, die als unerwünschter Nebeneffekt auftritt (z. B. Schweißen oder Glasblasen mit offenen Gasflammen) und UV-Strahlung, die bewusst erzeugt wird, um bestimmte Prozesse zu initiieren (z. B. UV-Trocknung zur Härtung von Farben und Lacken, Fotooxidation, Entkeimung).

Für die Exposition gegenüber UV-Strahlung aus künstlichen Quellen gelten gesetzlich festgelegte Expositionsgrenzwerte[2].

Je nach Arbeitsbereich/Tätigkeit ist der UV-Strahlungsbereich unterschiedlich:

Arbeitsbereiche mit künstlicher UV-Strahlung
Zum Vergrößern, bitte Bild anklicken.

Beispiel Lichtbogenschweißen:
Um Haut- und Augenschäden zu vermeiden, muss der ganze Körper vor Strahlungseinwirkung geschützt sein. Es wird ein Gesichtsschutz benötigt, wobei ein Schutzhelm einem Schutzschild vorzuziehen ist, damit auch die Schläfen ausreichend abgedeckt werden. Weitere Informationen zum Sonnenschutz:

Fragen und Antworten zu Themen des Sachgebiets "Nichtionisierende Strahlung"
http://www.dguv.de/fb-etem/faq/faq_nichtioni/index.jsp

DGUV Information 203-085 „Arbeiten unter der Sonne“

 


[1] Primär- und Sekundärprävention

[2] siehe „Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung“/OStrV

Diesen Beitrag teilen
Diesen Beitrag teilen