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Foto: uwimages Fotolia 45858698

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Betrieblicher Hautschutz - Schritt 5: arbeitsmedizinische Vorsorge

Damit die Haut der Beschäftigten gesund bleibt, ist insbesondere bei Feuchtarbeit oder beim Umgang mit Gefahrstoffen eine arbeitsmedizinische Vorsorge sinnvoll, gegebenenfalls sogar notwendig. [1]

Angebot, Pflicht oder Wunsch?
Auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung haben Arbeitgeber eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge sicherzustellen.[2]

Es gibt:

  • Pflichtvorsorge: Das Unternehmen ist verpflichtet, diese Vorsorge zu veranlassen.
  • Angebotsvorsorge: Das Unternehmen bietet eine Vorsorge an, die der oder die Beschäftigte nicht annehmen muss.
  • Wunschvorsorge: Beschäftigte haben das Recht, sich auf eigenen Wunsch arbeitsmedizinisch beraten und untersuchen zu lassen, müssen den Anspruch aber von sich aus geltend machen. Der Anspruch besteht nur dann nicht, wenn aufgrund der Gefährdungsbeurteilung und der getroffenen Schutzmaßnahmen nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen ist.

Pflichtvorsorge ist Tätigkeitsvoraussetzung, d. h. die entsprechende Tätigkeit darf nur ausgeübt werden, wenn die Vorsorge zuvor durchgeführt wurde. Bei Angebotsvorsorge können die Betroffenen frei entscheiden, ob sie an der Vorsorge teilnehmen möchten oder nicht.

Die Untersuchungen zur arbeitsmedizinischen Vorsorge sind vom Unternehmen zu veranlassen und sollen während der Arbeitszeit stattfinden.

Welche arbeitsmedizinische Vorsorge ist bei Hautgefährdungen angezeigt?

Angebotsvorsorge:

  • bei längerem, häufigem oder hoch dosiertem Umgang mit reizenden oder sensibilisierenden Stoffen, wenn Hauterkrankungen im Betrieb aufgetreten sind oder Anhaltspunkte für eine Gefährdung bestehen [3]
  • bei Feuchtarbeit von mehr als 2 Stunden pro Schicht.

Pflichtvorsorge:

  • bei Feuchtarbeit von mehr als 4 Stunden pro Schicht
  • bei Exposition mit gelisteten Gefahrstoffen aus Anhang Teil 1 der ArbMedVV, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehalten ist, die Stoffe hautresorptiv, krebserzeugend oder keimzellmutagen sind und eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.

Möglicher Inhalt der arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Hautgefährdungen ist es, kritische Inhalte der Arbeitsstoffe zu identifizieren, gegebenenfalls durch Nachfrage bei den Herstellern. Mit dem Einverständnis der Beschäftigten wird in der arbeitsmedizinischen Vorsorge regelmäßig die allergische Reaktionslage erfragt und die Haut auf irritative Veränderungen untersucht.

Treten Hautprobleme bei den Beschäftigten auf, können in der arbeitsmedizinischen Vorsorge alternative Hautmittel gesucht und vorgeschlagen werden. Dazu sollte beim Hersteller des Hautmittels angefragt werden, wie die Prüfung zu Hautverträglichkeit und Wirksamkeit erfolgt ist. Bei der Tätigkeitsbeurteilung ist es wichtig, die maximale Expositionszeit gegenüber dem Arbeitsstoff einzuschätzen, die bei Nutzung des Hautschutzmittels für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin möglich ist, wenn keine Schutzhandschuhe eingesetzt werden können.

Die Vorsorge liefert einen individuellen Hand- und Hautschutzplan sowie eine Empfehlung zur Arbeitsorganisation bei der Maschinenbedienung.

Das Hautarztverfahren
Werden Hautveränderungen frühzeitig behandelt, steigen die Chancen auf Besserung oder Heilung erheblich. Das Hautarztverfahren wird von der gesetzlichen Unfallversicherung getragen, wenn sich bestehende Hautbeschwerden durch die berufliche Tätigkeit weiter verschlechtern können. Es kann von Betriebs-, Haus- und Hautärzten und -ärztinnen beantragt werden. Daher sollte diese Behandlungsmöglichkeit (Sekundär- und Tertiärprävention) den Beschäftigten bekannt gemacht werden.

Bei Verdacht auf eine beruflich bedingte Hauterkrankung sollte die Berufsgenossenschaft umgehend informiert werden; sie kann zusätzliche individuelle Schutzmaßnahmen mit Kostenübernahme einleiten – zum Beispiel besondere Schutzhandschuhe im Rahmen einer fachärztlichen Behandlung.

Generell gilt: Beschäftigte sollten bei Hautveränderungen eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Je früher eine Hauterkrankung erkannt werden kann, desto größer sind die Heilungschancen.

Weitere Informationen zum Hand- und Hautschutz bietet das Portal hautschutz.bgetem.de



[1] Einzelheiten regelt die Arbeitsmedizinische Vorsorge-Verordnung (ArbMedVV)

[2] Zu berücksichtigen sind dabei die Vorschriften der ArbMedVV einschließlich der zu dieser Verordnung erstellten arbeitsmedizinischen Regeln (AMR) zu berücksichtigen haben.

[3] § 5 Abs. 2 Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge/ArbMedVV

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