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Arbeitsschutz: Mit der "Nudging-Methode" positiv verstärken

(14.11.2018) Das englische Wort "nudge" bedeutet anstupsen. Die danach benannte Nudging-Methode lenkt Menschen fast automatisch - mit einfachen Hilfen - zum erwünschten Handeln. Menschliches Verhalten wird damit vorhersagbar beeinflusst. Wie das "Anstupsen" im Bereich Arbeitssicherheit in Betrieben angewandt werden kann und positive Effekte dadurch erzielt werden, erklärt Dr. Christine Gericke, Arbeitspsychologin, in der aktuellen Ausgabe von etem 5.2018 - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Kreativworkshops sollen bei der Umsetzung der Nudging-Methode helfen, um beispielsweise Unfallsituationen zu analysieren und im Team kreative Ideen für die praktische Umsetzung von Arbeitssicherheit im eigenen Betrieb zu entwickeln.
Arbeitsschutz: Mit der "Nudging-Methode" positiv verstärken

Gehörschutzspender (Foto: Dagmar Brunk/BG ETEM)

Auf dem BG-Forum "Führung. Kommunikation. Verhalten" in Rheinsberg (Brandenburg) erläuterte Dr. Christine Gericke, Arbeitspsychologin bei der BG ETEM, vor mehr als 200 Experten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: "Auch im Betrieb lässt sich schnelles, effizientes und dennoch instinktiv sicheres und gesundes Verhalten durch Anstupsen erreichen."

Mit Nudging ist eigentlich jeder schon einmal unwissentlich in Berührung gekommen. Welcher Mann kennt sie nicht, die Fliege im Urinal? Und, was bewirkt sie eigentlich ganz nebenbei? Ganz einfach: Sie weckt den Ehrgeiz, richtig zu zielen und zu treffen. Positiver Nebeneffekt: Die Kosten für die Reinigung der Toilettenanlagen "mit Fliege" sind nachweisbar deutlich geringer. Man kann also viel aus diesem einfachen Beispiel lernen und auf Situationen in der Arbeitswelt übertragen. Vor etwa zehn Jahren haben der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein Nudging zu einer weltweit anerkannten Methode entwickelt. Entscheidungsarchitekturen helfen dabei, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen.

Sehr schön lässt sich das am Beispiel einer Kantine oder Cafeteria im Rahmen des Arbeitsalltags darstellen: Die Besucher werden immer häufiger zum Zugreifen an der "richtigen" oder "gesunden" Stelle gestupst. Obst und Salate warten einladend und griffgünstig an den meistgenutzten Wegen. Dagegen verstecken sich Currywurst und süße Nachspeisen abseits hinter einer Glasscheibe und werden nur auf Nachfrage beim Kantinenpersonal herübergereicht. Durch diese einfache Maßnahme ernähren sich deutlich mehr Kollegen gesünder.

Doch warum müssen wir überhaupt angestupst werden? Weil wir dazu neigen, die vermeintlich einfache und bequemste Lösung für uns zu wählen. Nicht die beste oder gesündeste. Denn gefällte Entscheidungen und deren Konsequenzen liegen zeitlich oft weit auseinander, wie sich wiederum gut an Beispielen belegen lässt. Keiner will sich eingestehen, dass mangelnde körperliche Bewegung spätere Rückenprobleme hervorrufen kann oder mangelnde Konsequenz in der Zahnpflege später teuren Zahnersatz bedeutet.

Als Beispiel aus der Arbeitssicherheit nannte die Psychologin Gericke den sicherheitssteigernden Effekt einer guten Verfügbarkeit von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und umgekehrt. Wenn PSA in manchen Betrieben oder Arbeitsbereichen nicht getragen werde, stelle sich die Frage nach den Ursachen. "Warum wird die Schutzausrüstung nicht getragen? Warum werden Regeln nicht eingehalten? Welche Prinzipien könnten hier wirken?", so Gericke an die Tagungsteilnehmer gerichtet. Hier sollte ein Nudging-Kreativworkshop greifen und Abhilfe leisten. Im betriebseigenen Team kann analysiert werden und eine Lösung gefunden werden, wie man alle Mitarbeiter dahin bewegt, ihre PSA immer und überall am Arbeitsplatz zu tragen. Beispielsweise könnten Gehörschutzspender so platziert werden, dass der nötige Gehörschutz stets griffbereit in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes verfügbar ist.

Ein sehr gutes und wirksames Beispiel mit Bezug zur Arbeitssicherheit findet sich im Straßenverkehr: Nahezu unbewusst werden Autofahrerinnen und -fahrer gebremst, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg an Ortseinfahrten auf elektronische Anzeigetafeln treffen, die eine überhöhte Geschwindigkeit anzeigen. Ein rotes Gesicht mit heruntergezogenen Mundwinkeln führt zum "automatischen" Tritt aufs Bremspedal, sagte Gericke. Verbote sind also out, positives Verstärken durch Nudging ist in!

Hintergrund BG ETEM
Die BG ETEM ist die gesetzliche Unfallversicherung für rund 3,8 Millionen Beschäftigte in gut 200.000 Mitgliedsbetrieben. Sie kümmert sich um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in den Mitgliedsbetrieben sowie um Rehabilitation und Entschädigung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Für ihre Mitgliedsunternehmen übernimmt die BG ETEM die Haftung für die gesundheitlichen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten gegenüber den Beschäftigten und stellt diese auch untereinander von der Haftung frei.

Pressekontakt
Christian Sprotte
Pressesprecher
Telefon 0221 3778-5521
Telefax 0221 3778-25521
Mobil 0175 260 73 90
E-Mail sprotte.christian@bgetem.de
Internet www.bgetem.de, Webcode 11364615

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