Arbeits-medizinische Prävention

Während der Epidemie mit SARS-CoV-2 überschneiden sich im Betrieb Anforderungen des bevölkerungsbezogenen Infektionsschutzes mit Maßnahmen des Arbeitsschutzes.

Betriebsärztinnen und Betriebsärzte unterstützen den Unternehmer zur Prävention/Vorbeugung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren und insbesondere bei Umsetzung seiner Verpflichtungen zu Maßnahmen des Gesundheitsschutzes. Sie beraten und untersuchen Beschäftigte allgemein und individuell zu besonderen arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren.

Die betriebsärztliche Mitwirkung leitet sich aus verschiedenen Gesetzen (z. B. Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)), Verordnungen (z. B. Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)), konkretisierenden Regeln (z. B. Arbeitsmedizinische Regeln (AMR), Arbeitsschutzregel (ASR) vom 10.08.2020) und Empfehlungen (z. B. Arbeitsmedizinische Empfehlungen (AME)) ab sowie allgemein zur Bezugnahme auf staatliches Recht in diesem Zusammenhang insbesondere die DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention).

Mit der Umsetzung der Maßnahmen im Sinne der "Arbeitsschutzregel SARS-CoV-2" in den Betrieben wird durch Unterbrechung von Infektionsketten ein Beitrag zum Bevölkerungsschutz geleistet. Die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren im Arbeitsschutz, z. B. der Fachkraft für Arbeitssicherheit, ist sinnvoll.

Betriebsärzte/innen können besonders zu aktuellen Fragen des Infektionsschutzes, zu Hygienemaßnahmen sowie der Einsetzbarkeit der Beschäftigten (z. B. besonders schutzbedürftige Beschäftigte, Personen mit Vorerkrankungen, Risikopersonen oder Beschäftigte nach COVID-19-Erkankung) mitwirken. Besorgnis, Unsicherheit und Ängste können durch Information und Kommunikation gemindert werden.

Arbeitsmedizinische Vorsorge sollte i.S. der Verordnung für die arbeitsmedizinische Vorsorge (ArbMedVV) durchgeführt werden.

Arbeitsmedizinische Regeln konkretisieren die ArbMedVV und haben sog. "Vermutungswirkung", d. h.:
Bei Einhaltung der AMR kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass die in der AMR konkretisierten Anforderungen der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) erfüllt sind.
Zu den arbeitsmedizinischen Regeln (Quelle: BAuA)

Arbeitsmedizinische Empfehlungen geben konkrete Hinweise zu besonderen Themen, z. B. zur Wunschvorsorge
Zu den arbeitsmedizinischen Empfehlungen (Quelle: BAuA)

Betriebsärztliche Unterstützung und Mitwirkung umfasst:

 

  1.  Mitwirkung bei der Gefährdungsbeurteilung
    i. S. Arbeitsmedizinische Regel 3.2 Arbeitsmedizinische Prävention (Quelle: BAuA)
    - gesundheitliche Auswirkung durch die Tätigkeit
    - Ableitung erforderlicher Schutzmaßnahmen (u. a. Arbeitsmedizinische Vorsorge, MNB/MNS, PSA, Verhältnis-/Verhaltensprävention "AHA-L")

  2. Mitwirkung bei der Erarbeitung von Konzepten zu Pandemie, Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen
    z. B. Haut- und Handschutz, Infektions-, Impfschutz
    Aktuelles aus dem Ausschuss für Arbeitsmedizin des BMAS (AfaMed):https://www.baua.de/DE/Aufgaben/Geschaeftsfuehrung-von-Ausschuessen/AfAMed/Ausschuss-fuer-Arbeitsmedizin_node.html

  3. Mitwirkung bei der Unterweisung
    i. S. Arbeitsmedizinische Regel 3.2 Arbeitsmedizinische Prävention (Quelle: BAuA)
    - allgemeine Informationen der Beschäftigten zu arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken und deren Schutzmaßnahmen u. a. zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, insbesondere zur Wunschvorsorge, z. B. bei Anwendung von MNS/Atemschutz oder besonderen Hygienemaßnahmen.
    - Informationen zur individuellen Beratung und Untersuchung von Beschäftigten bei Gesundheitsstörungen, z. B. bei besonderen Vorerkrankungen oder zum Einsatz nach überstandener Covid-19-Erkankung

  4. Arbeitsmedizinische Untersuchung (Durchführung und Information)
    Arbeitsmedizinische Vorsorge auf der Grundlage der aktualisierten Gefährdungsbeurteilung (SARS-CoV-2) z. B.
    - allgemeine Information zur arbeitsmedizinischen Vorsorge/Untersuchung
    FAQ BAuA
    - Information zur Einhaltung der Fristen bei Nachuntersuchungen in Zeiten der Pandemie mit SARS-CoV2
    BAuA
    - Organisation der arbeitsmedizinischen Vorsorge/Untersuchung in Zeiten der SARS-CoV2-Pandemie,
    Empfehlungen der DGAUM und des VDBW
    - Umgang mit aufgrund der SARS-CoV-2-Epidemie besonders schutzbedürftigen Beschäftigten
    Arbeitsmedizinische Empfehlung des BMAS
    - Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten, die das Tragen von Atemschutzgeräten erfordern, z. B. Tragen von Atemschutzgeräten der Gruppe 1, FFP2 i.S. AMR 14.2 (Quelle: BAuA)
    - Arbeitsmedizinische Vorsorge wegen mobilen Arbeitens aufgrund der Epidemie, z. B. Angebotsvorsorge bei Bildschirmarbeit i.S. ArbMedVV (Quelle: BAuA)
  5. Mitwirkung beim Umgang mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten
    z. B. leistungsgewandelter Beschäftigter, Schwangere und werdende Mütter, individuelle Schutzmaßnahmen und Beratung

    Der Umgang mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten in der Coronapandemie ist Bestandteil der Individualprävention, welche die Verhältnisprävention ergänzen muss.

    Die vorbereitenden individuellen Maßnahmen (Prüfung zusätzlicher Maßnahmen zum Schutz gegen eine Ansteckung) werden abgerufen, wenn die auslösenden individuellen Gefährdungsmerkmale bekannt werden, z. B. durch Vorlage eines ärztlichen Attestes. In unklaren Fällen sollte eine Konsultation des Betriebsarztes/BA angeboten werden.
    Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge können sich Beschäftigte zu ihren individuellen Gefährdungen arbeitsmedizinisch beraten lassen.

    Sind individuelle Schutzmaßnahmen erforderlich, teilt der Arzt dies dem Arbeitgeber mit, ohne dass Diagnosen oder Befunde erwähnt werden.

    Auch bei Tätigkeiten mit sehr hohem Expositionsrisiko ist es nicht gerechtfertigt, dass der Arbeitgeber aus Gründen des Arbeitsschutzes Daten zu individuellen Gefährdungsmerkmalen bei seinen Beschäftigten erhebt, und es besteht im Rahmen des Arbeitsschutzes keine Pflicht der Beschäftigten zur Offenbarung von medizinischen Risiken.
    Informationen zum aktuellem Wissensstand, insbesondere zum Ansteckungsrisiko oder dem Risiko einer Neuerkrankung, können zum Abbau von Ängsten beitragen.

    Ansprechpartner für Fragen oder Sorgen der Beschäftigten bezüglich ihrer Gesundheit am Arbeitsplatz sind insbesondere Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder gegebenenfalls eine Mitarbeiterberatung.

  6. Mitwirkung bei Rückkehr nach einer SARS-CoV-2-Infektion oder COVID-19-Erkrankung, z. B. besonderer Infektionsschutz, Arbeitsorganisation
    Beschäftigte, die nach einer COVID-19-Erkrankung zurück an den Arbeitsplatz kommen, haben aufgrund eines möglicherweise schweren Krankheitsverlaufs einen besonderen Unterstützungsbedarf zur Bewältigung von arbeitsbedingten physischen und psychischen Belastungen. Zurückkehrende müssen vor Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit Informationen darüber bekommen, welche Schutzmaßnahmen aufgrund der SARS-CoV-2-Epidemie im Betrieb bzw. der Einrichtung getroffen wurden.

  7. Mitwirkung beim betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement (BEM) i. S. § 167 (2) SGB IX, z. B. Individualberatung und besondere Schutzmaßnahmen

    Bei einer Arbeitsunfähigkeitsdauer von mehr als sechs Wochen in den letzten 12 Monaten ist der Arbeitgeber zudem verpflichtet, den betroffenen Beschäftigten ein betriebliches Eingliederungsmanagement gemäß § 167 Absatz 2 SGB IX anzubieten.

    Grundsätzlich müssen Beschäftige gegenüber dem Arbeitgeber im Falle einer Erkrankung keine Diagnosen oder Krankheitssymptome offenbaren.

    Gegebenenfalls erforderliche Informationen des Arbeitgebers übernimmt das Gesundheitsamt im Rahmen der Quarantäneveranlassung.

    Erhält der Arbeitgeber Kenntnis über die Ansteckung einer/eines Beschäftigten, gilt es, deren/dessen Identität soweit es geht zu schützen, um einer Stigmatisierung von Betroffenen vorzubeugen.

    Sind konkrete Infektionen bekannt geworden, werden möglicherweise einzelne Beschäftigte unsicher sein im Umgang mit zurückkehrenden Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern und Ängste haben, sich am Arbeitsplatz zu infizieren.
  • Webcode: 20173117
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