Arbeitsmedizinische Prävention

Während der Epidemie mit SARS-CoV-2 überschneiden sich im Betrieb Anforderungen des bevölkerungsbezogenen Infektionsschutzes mit Maßnahmen des Arbeitsschutzes.

Betriebsärztinnen und Betriebsärzte unterstützen den Unternehmer zur Prävention (=Vorbeugung) arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren und insbesondere bei Umsetzung seiner Verpflichtungen zu Maßnahmen des Gesundheitsschutzes. Sie beraten und untersuchen Beschäftigte allgemein und individuell zu besonderen arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren.

Sie können besonders zu aktuellen Fragen des Infektionsschutzes, zu Hygienemaßnahmen sowie der Einsetzbarkeit der Beschäftigten (z. B. besonders schutzbedürftige Beschäftigte, Personen mit Vorerkrankungen, Risikopersonen oder Beschäftigte nach COVID-19-Erkankung) mitwirken. Besorgnis, Unsicherheit und Ängste können durch Information und Kommunikation gemindert werden.

Betriebsärztliche Unterstützung und Mitwirkung umfasst:

  1. Mitwirkung bei der Gefährdungsbeurteilung
    Erfassung und Ableitung von Schutzmaßnahmen z.B. bei möglichem Infektionsrisiko durch Personen- oder Kundenkontakt
    BAuA: Arbeitsmedizinische Regel ( AMR) 3.2 Arbeitsmedizinische Prävention

  2. Mitwirkung bei der Erarbeitung von Konzepten zur Pandemie, Hygiene- und Gesundheitsschutzmaßnahmen
    • Pandemie-, Hygieneplan
    • Informationen zu Infektionsgefährdung und Schutzmaßnahmen
    • Organisation und Durchführung von Schutzimpfungen
    • Auswahl und Information zur Anwendung von Haut- und Desinfektionsmitteln
    Aktuelles aus dem Ausschuss für Arbeitsmedizin des BMAS (AfAMed)

  3. Mitwirkung bei der Unterweisung
    Vermittlung allgemeiner Informationen zur arbeitsbedingten Gefährdung und Schutzmaßnahmen, insbesondere Information zur Möglichkeit der individuellen Beratung und Untersuchung bei besonderen Gesundheitsrisiken (Arbeitsmedizinische Wunschvorsorge)

  4. Arbeitsmedizinische Vorsorge und/oder Untersuchung und Beratung
    Arbeitsmedizinische Vorsorge
      (AMV, Untersuchung und Beratung) findet aufgrund der Verordnung für die Arbeitsmedizinische Vorsorge (ArbmedVV) statt.
    Arbeitsmedizinische Untersuchungen (Untersuchung, Beratung und Beurteilung) können aufgrund der Feststellung der gesundheitlichen Eignung erfolgen.
    Eignungsuntersuchungen sind nicht Bestandteil der Arbeitsmedizinischen Vorsorge.

    Dabei werden im geschützten Rahmen und unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht zum einen die besonderen gesundheitlichen Gefährdung am Arbeitsplatz oder die besonderen individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen für die Arbeit erfasst.

    Betriebsärztliche Informationen zum aktuellem Wissens- und Erkenntnisstand, insbesondere zum arbeitsbedingten Ansteckungsrisiko, der Wirkung von Schutzimpfungen oder zu den Langzeitwirkungen i.S. von Long-Covid und dadurch bedingten möglichen Leistungseinschränkungen bei der Arbeit können zur Orientierung und Abbau von Ängsten beitragen.
     
  5. Mitwirkung beim Umgang mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten
    Beratung und/oder Empfehlung zu individuellen Schutzmaßnahmen bei z. B. leistungsgewandelten Beschäftigten, Schwangeren und werdenden Müttern. Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge und/oder Untersuchung können sich Beschäftigte zu ihren individuellen Gefährdungen durch den Betriebsarzt beraten lassen. (Arbeitsmedizinische Wunschvorsorge)

  6. Mitwirkung beim betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement BEM i.S. SGB IX § 167 (2)
    Bei einer Arbeitsunfähigkeitsdauer von mehr als sechs Wochen in den letzten 12 Monaten ist der Arbeitgeber zudem verpflichtet, den betroffenen Beschäftigten ein betriebliches Eingliederungsmanagement gemäß § 167 Absatz 2 SGB IX anzubieten.

    Die betriebsärztliche Mitwirkung kann zum Erhalt einer leistungsgerechten Tätigkeit beitragen.

  • Webcode: 20173117
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