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Lüften

[Stand: 25.06.2020]

Illustration Lüften
Bild: Jörg Block/BG ETEM
Es ist allgemein bekannt, dass Viren im Freien nur in (sehr) geringen Konzentrationen vorhanden sind. Dies gilt auch für das Coronavirus SARS-CoV-2. In geschlossenen Räumen kann die Anzahl von Erregern hingegen stark steigen, ist dort eine infizierte Person anwesend. Durch regelmäßiges Lüften kann die Viruskonzentration und damit ein mögliches Ansteckungsrisiko effektiv gesenkt werden.

Bei Lüftungsmaßnahmen wird zwischen freier (natürliche) Lüftung und technischer (maschinelle) Lüftung unterschieden. Die freie Lüftung erfolgt beispielsweise durch geöffnete Fenster, die technische Lüftung durch Lüftungs- und Klimaanlagen.

In vielen Büros überwiegt die freie Lüftung. Man unterscheidet dabei Spaltlüftung (gekipptes Fenster) und Stoßlüftung (kurzzeitig ganz geöffnetes Fenster), wobei die Stoßlüftung einen wesentlich intensiveren Luftaustausch bewirkt. Noch intensiver ist die Querlüftung, bei der einander gegenüberliegende Fenster geöffnet werden. In Büroräumen sollte mindestens einmal pro Stunde für etwa 10 Minuten mit vollständig geöffneten Fenstern gelüftet werden.

Die maschinelle Lüftung mit RLT-Anlagen (raumlufttechnische Anlagen) ist dann am effektivsten, wenn die RLT-Anlage ohne Umluft betrieben wird. Moderne Lüftungsanlagen sind häufig so ausgelegt, dass ausschließlich Außenluft in die Räume gefördert wird und die Abluft in die Umgebung abgeführt wird. Dadurch werden auch luftgetragene Viren aus den Räumen entfernt.

Wird eine RLT-Anlage zur Lüftung verwendet, ist insbesondere folgendes zu beachten:

  • Unabhängig von der derzeitigen Pandemie gilt für RLT-Anlagen: Für den Betrieb und die Instandhaltung dieser Anlagen müssen die möglichen Gefährdungen, die von der Anlage ausgehen können, bewertet und ggf. Schutzmaßnahmen vorgesehen werden. Einerseits muss dies im Hinblick auf die Beschäftigten, die der Zuluft der Anlage ausgesetzt sind, erfolgen und andererseits für Personal, das Instandhaltungsarbeiten an der Anlage durchführt. Die Gefährdungen und daraus abgeleiteten Schutzmaßnahmen müssen durch einen Fachkundigen bewertet werden, der mindesten die Kenntnisse der Qualifikation Kategorie A gemäß VDI-MT 6022 Blatt 2 besitzt.
  • Es sollten regelmäßige Hygieneinspektionen und Hygienekontrollen der Anlagen gemäß den in der VDI 6022 Blatt 1 beschriebenen Inhalten erfolgen. Zwar sind SARS-CoV-2-Viren mittels der gängigen mikrobiologischen Beprobungen auch im Rahmen einer Hygieneinspektion vermutlich nicht nachweisbar. Die Kombination von Covid-19 mit anderen Atemwegsbeschwerden und/oder Erkrankungen kann allerdings zu einem erschwerten Krankheitsverlauf und anderen schweren Komplikationen führen. Deshalb ist eine hygienisch einwandfreie Lüftungsanlage in der momentanen Situation wichtiger denn je. Dies sicherzustellen erfordert regelmäßige Hygieneinspektionen und Hygienekontrollen gemäß VDI 6022 Blatt 1.
  • Das Personal für die Hygieneinspektionen und -kontrollen sowie daraus abgeleiteter weiterer Instandhaltungsarbeiten muss eine entsprechende Fachkunde besitzen. Die notwendigen Kenntnisse werden in der VDI-MT 6022 Blatt 2 beschrieben.
  • Es ist sicherzustellen, dass die Außenluftansaugung und der Fortluftauslass der RLT-Anlage außerhalb des Gebäudes einen ausreichenden Abstand besitzen, um lüftungstechnische Kurzschlüsse zu unterbinden.
  • Umluftanteile, soweit in der Anlage vorhanden, sollten zugunsten der Außenluftanteile je nach Anlagenausführung weitestgehend reduziert werden.
  • Filterung der Zuluft: Die Filterklasse sollte ISO ePM1 50 % entsprechen.
  • Filter sollten gemäß den Vorgaben der VDI 6022 ausgewechselt werden, wenn die Druckdifferenz oder die zeitlichen Einschränkungen es vorsehen. Es ist nicht notwendig, diese früher als gewöhnlich zu wechseln.
  • Überströmung von verschiedenen Nutzungseinheiten minimieren, damit möglicherweise mit Tröpfchen/Aerosolen belastete Abluft aus den Räumen nicht in andere Bereiche transportiert wird.
  • Betriebszeiten der Anlagen ggf. vor und nach der regulären Nutzungszeit verlängern.
  • Regelmäßige Instandhaltungsarbeiten wie z. B. Wartung und Reinigung der RLT-Anlage sind unter Beachtung ausreichender Hygiene durch das Wartungspersonal durchzuführen. Für die Wartung und den Austausch beladener Filter ist grundsätzlich persönliche Schutzausrüstung (Einmalschutzanzug, mindestens Atemschutzmaske FFP2 und Schutzbrille) zu tragen.
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