Antigen-Tests - Merkmale und betriebliche Organisation

Zur Minderung des betrieblichen SARS-CoV-2-Infektionsrisikos hat der Arbeitgeber Beschäftigten mindestens zweimal pro Kalenderwoche einen Corona-Test anzubieten.

Zur Minderung des betrieblichen SARS-CoV-2-Infektionsrisikos hat der Arbeitgeber Beschäftigten, soweit diese nicht ausschließlich in ihrer Wohnung arbeiten, mindestens zweimal pro Kalenderwoche einen Test in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 anzubieten.

Die Testangebotspflicht kann aufgrund des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung beispielsweise entfallen bei Beschäftigten, bei denen ein Nachweis der vollständigen Impfung vorliegt oder über eine vorangegangene Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, die mindestens 28 Tage sowie maximal sechs Monate zurückliegt.

Nachweise über die Beschaffung von Tests gemäß vorgenannten Absatz oder Vereinbarungen mit Dritten über die Testung der Beschäftigten sind vom Arbeitgeber bis zum Ablauf des 10. September 2021 aufzubewahren.

Zudem sind ggf. die jeweiligen bundesländerspezifischen Regelungen zu beachten!

Durch Antigen-Tests können Personen (Infizierte), die noch keine Krankheitssymptome einer SARS-CoV-2-Infektion zeigen, häufiger identifiziert werden. Bei hoher Viruslast kann aus Mund-Nase-Rachensekret innerhalb von ca. 15-30 Minuten Virusmaterial nachgewiesen werden. Durch gezielte Isolierung der Infizierten und ihrer engen Kontaktpersonen ist eine Unterbrechung der Übertragungskette schneller möglich.

  • Das Angebot und die Verwendung von AG-Schnelltests ersetzen keinesfalls die sonstigen Schutzmaßnahmen: AHA-L!
  • Ein negatives Testergebnis darf niemals zu einer Umgehung der bestehenden Infektionsschutzmaßnahmen führen!
  • Schnelltests zeigen nur eine Momentaufnahme und bieten lediglich ein zusätzliches Kriterium zum Infektionsschutz!

AG-Schnelltests und AG-Selbsttests unterscheiden sich in der Methode des Virusnachweises nicht voneinander, sondern in der Art der Probenahme. Sie müssen die CE-Kennzeichnung bzw. eine Sonderzulasssung als solche tragen, sollten evaluiert sein und somit bestimmte Mindestvorgaben erfüllen, z. B. i. S. der sog. "Sensitivität/Spezifität":

AG-Schnelltests („Point-of-Care“)

AG-Selbsttests

Durchführung von eingewiesenen und "geschulten" Personen (s. u.)

Durchführung ohne Einweisung oder Schulung "selbst" - durch Laien anzuwenden

Akribische Beachtung der Gebrauchsanweisung!
I. d. R. Abstrich mittels Wattetupfer aus Rachen, Nase, (Mund, s. RKI)
Der sogenannte hintere Rachenabstrich ist der Ort, der weder durch Naseputzen,
Gurgeln o. a. "gespült" werden kann und wo sich das Virus nach derzeitigen Erkenntnissen ungehindert vermehrt.

Akribische Beachtung der Gebrauchsanweisung!
I. d. R. Abstrich mittels Wattetupfer aus vorderem Nasebereich, (Mund), ggf. Gurgeln (s. RKI)

Tupfer sollte sichtlich "feucht" sein.

Vorteil:
"geschulte" Personen nach fachlicher Anleitung können Test konkret durchführen;
geringere Fehlerquote bei der Probenahme, höhere Sicherheit bei der Ergebnisinterpretation

Vorteil:
schnelle Durchführung, frei erhältlich, von Laien durchzuführen.

Nachteil:
je nach Durchführung nicht ausreichend "Abstrichmaterial" "falsch negativ"),
keine Kontrolle der Durchführung (Fehler),
keine Kontrolle des Nachweises

Ob AG-Schnelltests zur Durchführung durch fachkundiges Personal oder Schnelltests zur Eigenanwendung (Selbsttests) an- oder verwendet werden, ist nicht ausdrücklich geregelt. 

Qualitätsmerkmale der Antigen-Tests:

  • Sensitivität:
    Die Sensitivität gibt Auskunft darüber, ob alle Infizierten auch als infiziert erkannt werden. 98 % Sensitivität bedeutet z. B.: von 100 Infizierten werden 98 (richtig positiv) erkannt. Zwei werden nicht erkannt und sind "falsch negativ".
  • Spezifität:
    Gibt Auskunft darüber, ob gesunde Personen auch als gesund erkannt werden. 95 % Spezifität bedeutet z. B.: von 100 gesunden Probanden wurden 95 als richtig negativ erkannt. 5 wurden "falsch-positiv" getestet.

Ein negatives Testergebnis kann bedeuten:

  • es sind keine Viren vorhanden, die Person ist nicht infiziert.
  • es sind bereits  Viren im Mund-Nasen-Bereich vorhanden, die jedoch aufgrund der Empfindlichkeit des Tests s. u. noch nicht nachweisbar sind oder die sich nach einer möglichen, unbemerkten Infektion noch im "Vermehrungszustand" befinden und später durchaus zu Symptomen führen können. In der sog. „Inkubationszeit“ (= Zeit zwischen dem Kontakt mit dem SARS-CoV-2-Virus (Ansteckung) und dem Ausbruch der Krankheit mit Symptomen) können Viren ohne Einhaltung der AHA-L-Regeln auf andere Personen übertragen werden. Der Test ist nur eine Momentaufnahme und bedeutet, dass eine Person wahrscheinlich nicht ansteckend ist.

  • der Test wurde nicht richtig durchgeführt (Gebrauchsanweisung vom Hersteller genau beachten!)

Ein positives Testergebnis bedeutet:

  • es sind Viren vorhanden, sodass andere Personen infiziert werden können!

Jede Person mit einem positiven AG-Schnelltest gilt als "Infektiös"!
Es müssen sofort Maßnahmen zum Infektionsschutz anderer Personen getroffen werden: Isolation, Tragen von FFP2-Masken, Abstandsregel, Kontrolle durch PCR-Test!

(Auf ein "falsch-positives" Ergebnis sei hier nur ergänzend verwiesen.)

Personen, die bei anderen Personen AG-Schnelltests durchführen, müssen dazu von anderen Personen eingewiesen werden, die die dafür erforderliche Ausbildung oder Kenntnis und Erfahrung besitzen. Eine genaue Definition o. g. Personengruppen liegt derzeit nicht vor.

Da beim direkten Kontakt während der Abstrichentnahme für den Tester ein gewisses Infektionsrisiko besteht (enger Kontakt, Husten, Niesen), sind entsprechende (Arbeits-)Schutzmaßnahmen zu treffen (Räumlichkeit, Kittel, Augenschutz, Gesichtsschild, Atemschutz, Handschuhe, Desinfektionsmittel).

Gefährdungsbeurteilung

Um Tätigkeiten oder Arbeitsplätze mit besonderer Infektionsgefahr erfassen und bewerten zu können, ist die Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung erforderlich (s. CoronaArbSchR).

Für bestimmte Tätigkeiten oder Arbeitsplätze können technische oder organisatorische Maßnahmen ein Infektionsrisiko nicht völlig ausschließen (z. B. Erfordernis enger Zusammenarbeit zur Sicherstellung der Versorgung "KRITIS").
Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind bei besonderen Arbeitsbedingungen besondere (Schutz-)Maßnahmen zu treffen, z. B. das Angebot von AG-Schnelltests.

AG-Schnelltests sollten Teil des betrieblichen Hygienekonzepts sein.

Zu Fragen des Infektionsrisikos und den damit verbundenen Schutzmaßnahmen ist die Mitwirkung des Betriebsarztes sinnvoll. Entsprechende Empfehlungen u. a. von Behörden, Einrichtungen oder Fachgesellschaften sind zu berücksichtigen.

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