Führung in Balance – Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit effizient sicherstellen
Führung ist zentral für gelingenden Arbeits- und Gesundheitsschutz – sie beeinflusst die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten über vier Ebenen (über Selbstführung, Führung von Beschäftigten, Arbeitsgestaltung, Kultur). Auch die Führungstätigkeit selbst sollte in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Herausforderungen im Betrieb und der Umgang damit
Führung bedeutet Widersprüche zu balancieren – etwa, wenn der Druck zu Effizienz, Leistung und Wirtschaftlichkeit so hoch ist, dass gefühlt keine Zeit oder Ressourcen für Sicherheit und Gesundheit bleiben. Allerdings zahlen Sicherheit und Gesundheit auch positiv auf Effizienz und Leistung ein, sodass sich die Investitionen hierein nicht nur aus sozialer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnen. Über vier Ebenen lässt sich die Sicherheit und Gesundheit aller Beschäftigten (inklusive der Führungskräfte) beeinflussen. Die Ebenen hängen zusammen, weshalb alle Ebenen berücksichtigt werden sollen.
Sicherheits- und gesundheitsgerechte Führung findet auf vier Ebenen statt:
- Bestandteile: Achtsamkeit für die eigene Gesundheit, eigenes Zeit-, Fehler-, & Ressourcenmanagement, realistische Zielsetzung, Pausen
- Voraussetzungen: Kompetenz, Zeit und Raum für Umsetzung & Weiterbildung, Wahrnehmung eigener Stressoren/Ressourcen
- Bestandteile: Beziehungswerte (z.B. Respekt, Fairness, Rücksichtnahme), klare Rollen & Ziele, Partizipation & Situative Führung
- Voraussetzungen: Klarheit, Kommunikationskompetenz (was, wann, wie), Reflektion, Zeit & Raum
- Bestandteile: Gefährdungsabbau & Ressourcenaufbau – z.B. bei Arbeitsmitteln, -umgebung, -organisation, -abläufen, -menge…
- Voraussetzungen: Kenntnis von Ressourcen, Gefährdungen & Maßnahmen sowie Offenheit für Feedback durch Mitarbeitende
- Bestandteile: Gemeinsames Verständnis von geäußerten und gelebten Werten und Normen aller Betriebsangehörigen. Die Kultur der Prävention kann auf unterschiedlichen Stufen eingeordnet werden - von der gleichgültigen bis zur wertschöpfenden.
- Voraussetzungen: Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung, gemeinsam erarbeitete Leitlinien, gelebte Partizipation mit Förderung der Kompetenz und Proaktivität der Beschäftigten (hilfreich ist auch ein Managementsystem, z.B. AMS/BGM).
Vorteile von sicherheits- und gesundheitsgerechter Führung
- Weniger Gefährdungen, weniger Arbeitsunfälle
- Mehr Orientierung, bessere Abläufe, weniger Irritationen
- Erfüllung der Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigen
Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Führung im Arbeits- und Gesundheitsschutz: z. B. für die Wirksamkeit von Maßnahmen, die „Compliance“ mit Anweisungen für sicheres und gesundheitsförderliches Verhalten, das Team-Klima und das sogenannte psychosoziale Sicherheitsklima (engl.: Psychosocial Safety Climate), sowie die Gesundheit und Zufriedenheit von Mitarbeitenden.
Auch Führungskräfte selbst benötigen sichere und gesunde Arbeitsbedingungen!
Führungskräfte (v. a. die mittlere Führungsebene sowie im Kleinbetrieb) müssen viele Ansprüche erfüllen, z. B. gleichzeitig fachlich und disziplinarisch führen und selbst an der Erledigung von Aufträgen mitarbeiten.
Wichtig: Führungskräfte haben nicht nur eine Vorbild-Funktion im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Sie sollten auch selbst sicher und gesund bleiben.
Empfehlung: separate Gefährdungsbeurteilung für die Gruppe der Führungskräfte durchführen und das Thema „Selbstführung“ in den Blick nehmen.
Medien & Werkzeuge
- Gute Pausenroutinen etablieren (für sich und das Team) mit den KurzPausen
- Mit den Beschäftigten in’s Gespräch kommen – mit den Kulturdialogen
- Stellschrauben identifizieren – mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung
- Best Practices zum Thema Führung und Gestaltung der Arbeitsbedingungen – im Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung
- Beschäftigte zu sicherem und gesundem Verhalten bewegen: zum Beispiel mit Tools aus dem Themenbereich verhaltensorientierter Arbeitsschutz
- Mehr Infos zu den vier Ebenen: DGUV Information 206-059 "Sicherheits- und gesundheitsgerechte Führung – Reflexion für das eigene Unternehmen" | DGUV Publikationen
Unsere Seminare
- "Chefsache Gesundheit"-Wegweiser zu stressfreiem Arbeiten im Kleinbetrieb (Seminarnr. 760)
- Sicherheit und Gesundheitsschutz – eine Führungspflicht (Seminarnr. 270)
- Unternehmenserfolg durch gesunde und motivierte Mitarbeiter (Seminarnr. 415)
Arbeitspsychologinnen und Arbeitspsychologen in Ihrer Region
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