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Leimküche

In der Leimküche wird aus Stärke, Wasser und Natronlauge häufig nach dem Stein-Hall-Verfahren der für die Wellpappenproduktion erforderliche Leim hergestellt. Meistens werden noch Stoffe in geringer Menge zur besseren Verkleisterung zugegeben und mitunter ist auch ein Einsatz von Konservierungsstoffen erforderlich. Spezielle Zusätze sind auch erforderlich, wenn der Leim zum Beispiel für die Produktion von nassfester Ware verwendet werden soll.

Neben der Stärke ist die Natronlauge ein weiterer wichtiger Bestandteil des Leims. Natronlauge wirkt ätzend und reizend auf die Haut. Eine geschlossene Dosieranlage verhindert den Hautkontakt. Um Restgefahren bei der Reinigung beziehungsweise beim Wechseln der Gefäße auszuschließen, müssen Chemikalienschutzhandschuhe und Schutzbrille getragen werden.

Für den Leim sowie die Leimleitung werden bei Bedarf Konservierungsmittel eingesetzt, um eine Verkeimung zu verhindern. Das Konservierungsverfahren wird besonders an warmen Tagen beziehungsweise freitags nach Schichtende durchgeführt. Die meisten Konservierungsmittel könnten Allergien auslösen - bei Kontakt mit der Haut oder beim Einatmen. Hautkontakt mit hautallergieauslösenden Stoffen kann in der Regel durch Tragen von Chemikalienschutzhandschuhen vermieden werden. Ein Konservierungsmittel, das Atemwegsallergien auslösen kann, muss durch einen weniger gefährlichen Stoff ersetzt werden. Wenn ein Stoff aus technischen Gründen momentan nicht ersetzbar ist, darf er nur verwendet werden, wenn eine Exposition durch technische Maßnahmen (zum Beispiel geschlossene Dosieranlagen) ausgeschlossen wird.

Borax wird in den meisten Betrieben als Hilfsstoff bei der Wellpappenfertigung dem Leim zugemischt, um die Verkleisterung des Leims und damit die Klebfähigkeit zu beschleunigen. In der Leimküche wurde Borax bis vor wenigen Jahren überwiegend in Pulverform verwendet. Das pulverförmige Borax wurde aus einem Sack über einen Trichter in ein Vorratsgefäß gegeben, abgewogen und dem Leimansatz zugemischt. Borax kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen. Borax gelangt hauptsächlich über die Atemwege in den Körper. Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) gemäß TRGS 900 für Borsäure und Natriumborate liegt bei 0,5 mg Bor/m³. Beim Einhalten des Grenzwertes muss die furchtbarkeits- und fruchtschädigende Wirkung nicht befürchtet werden. Um den Grenzwert sicher einzuhalten, haben die meisten Wellpappenbetriebe auf flüssiges Borax oder Fertigstärke umgestellt.

Konsequenzen
Die offene Zugabe von festem Borax aus Säcken ist ohne weitergehende Maßnahmen nicht zulässig, da eine Überschreitung des Arbeitsplatzgrenzwertes so nicht auszuschließen ist. Deswegen ist die Zugabe in jedem Fall so zu gestalten, dass die Staubemissionen minimiert werden und das Einhalten des Grenzwertes sichergestellt ist.

Lösungen
Eine Staubentwicklung wird durch den Einsatz von Flüssigborax vollständig unterbunden. Flüssigborax wird z. B. in 1.000­ Liter Containern angeboten. Die Borverbindungen gelangen über eine Pumpe in einem geschlossenen System in den Leimbehälter. Dosiert wird das Flüssigborax über eine Durchflussmessung oder über das Waagesystem.

Eine weitere Alternative ist der Einsatz von vorgemischter Stärke oder Fertigstärke, die beide bereits Borax enthalten. Bei diesen Verfahren wird das Borax gemeinsam mit der Stärke direkt aus dem Vorratssilo über Rohrleitungen in den Rührbehälter gefördert. Die vorgemischte Stärke und die Fertigstärke sind aufgrund des geringen Anteils an Borax nicht als gefährlich eingestuft. Ein Verstauben der Fertigstärke muss aber unbedingt vermieden werden. Silo, Vorratsbehälter, Pumpe und Rührbehälter sind mit festen Anschlüssen und dichtschließenden Leitungen zu versehen. Insbesondere beim Einbringen von Stärke ist das gesamte System geschlossen zu halten, da durch den entstehenden Überdruck Staub, zum Beispiel durch Kontrollklappen, austreten kann. Geschlossene Systeme gewährleisten eine staubfreie Zugabe ohne Emissionen von Borverbindungen. Dies belegen Messungen der Berufsgenossenschaft in verschiedenen Wellpappenbetrieben.

Die Zukunft
Neben den geschlossenen Systemen arbeiten die Leim- und Wellpappenhersteller auch an Lösungen mit Borax-Ersatzstoffen bzw. boraxfreien technischen Verfahren. Besonders nennenswert sind zwei Entwicklungen, die neue, jedoch ganz unterschiedliche Wege aufzeigen. In einem Verfahren wird Leim ohne Borverbindungen eingesetzt - ein kennzeichnungsfreier Ersatzstoff auf Basis anorganischer Salze ist dafür neu entwickelt worden. Ein anderes Verfahren beschritt einen technischen Weg - der Prozess wird dabei so optimiert, dass ein Leim allein aus nativer Stärke und Natronlauge ohne weitere Zusätze eingesetzt werden kann. Durch die Umstellung des Prozesses zur Leimherstellung, begleitet durch eine regelmäßige Kontrolle technischer Parameter, kann so ganz auf Borverbindungen oder einen anderen Zusatzstoff verzichtet werden.

Weiteres ist im Artikel "Borax-Alternativen in der Wellpappen-Produktion" in unserem Magazin etem (Ausgabe 05.2016, Branche "Textil Medienerzeugnisse", Seite 18-19) beschrieben.

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